Memmingen (Bayern) – Trotz seiner klirrenden Fußfessel macht Murtadha Al-G. (45) beinahe einen fröhlichen Eindruck, als er am Montag ins Landgericht Memmingen geführt wird. Dass ihm ein heimtückischer Doppelmord an seinen Ex-Schwiegereltern vorgeworfen wird, das könne er wegen der Umstände ganz gut verstehen, sagt er lächelnd. Doch zugleich betont der Iraker: „Ich habe Ingrid und Christian nicht getötet, ich bestreite den Vorwurf!“
Am 18. Februar dieses Jahres wollte die Ex-Frau des Busfahrers mit dem gemeinsamen Sohn die Eltern im Memminger Stadtteil Steinheim (Bayern) besuchen. Die Haustür stand offen, in der Küche lag die Mutter (†68) in einer Blutlache. Als alarmierte Polizisten das Haus durchsuchten, entdeckten sie auch den 72-jährigen Vater mit eingeschlagenem Schädel vor dem Bad. Im Schlafzimmer fanden die Ermittler zudem einen bereitgelegten Baseballschläger.
Angeklagter bestreitet die Tat
Wofür der Holzknüppel dort stand, erklärte die Tochter den Beamten noch am Tatort: „Es war der Drecksack!“ Und: „Zu einer Million Prozent war das mein Ex-Mann.“
Für die Ermittler geriet Murtadha Al-G. damit sofort in den Fokus. Bereits einen Tag später wurde er festgenommen – die Beweise gegen ihn waren erdrückend. Zunächst schwieg der 45-Jährige. Zum Prozessauftakt versuchte er nun penibel, jedes einzelne Indiz zu entkräften. So passe ein Gipserbeil, das er am 22. Dezember 2025 gekauft haben soll, zu den 33 Verletzungen der Opfer. Seine Erklärung: „Das habe ich für einen Kollegen gekauft. Ich hätte den Kassenzettel doch nicht über Monate im Auto aufbewahrt, wenn ich ihn zur Tötung erworben hätte.“
Auch die DNA-Spuren auf dem ausgestöpselten Netzteil der Überwachungskamera am Tatort seien für ihn kein belastendes Indiz. „Das überrascht mich nicht. Ich war ja früher regelmäßig auf dem Grundstück. Früher war diese Kamera als Attrappe bei uns aufgehängt.“ Und dass er kurz nach der mutmaßlichen Tatzeit am Morgen des 17. Februar Schuhe und einen Parka in Altkleidercontainern entsorgte? „Ich wollte kurz darauf in den Irak in Urlaub fliegen und dort neue Kleidung kaufen.“
Mögliches Motiv
In den Akten der Polizei finden sich aber aus der Vergangenheit viele gegenseitige Anzeigen. Oberstaatsanwalt Roman Stoschek sieht darin auch das Motiv für die Tat: „Der Angeklagte wollte sich an Christian E. dafür rächen, ihm gegenüber ausländerfeindlich agiert und seinen Sohn körperlich verletzt zu haben. Gleichzeitig wollte er auch seine Ehefrau durch die Tötung von deren Eltern bestrafen.“
Murtadha Al-G. hatte laut Akten Gewalt schon früher immer wieder angedroht. Doch das sei immer nur im Streit um das Umgangsrecht mit seinem Sohn geschehen: „Mag sein, dass ich Aussagen gemacht habe, die als bedrohlich wahrgenommen wurden. Doch sie liegen lange zurück, ich hätte sie nie in die Tat umgesetzt.“
Zehn Verhandlungstage hat Richter Bernhard Lang für den Prozess angesetzt.