Nepal - Markus Walter (53) ist bereits über 20 Mal nach Nepal gereist und verfolgt die Schlammlawinen-Katastrophe mit großer Sorge. Beruflich organisiert er Reisen nach Nepal. „Zum Glück haben wir derzeit keine betroffenen Reisenden in der Region, doch lokale Partner sind von der Katastrophe betroffen“, sagt er zu BILD. In den betroffenen Gebieten seien Mobilfunkverbindungen teilweise zusammengebrochen. „Man erreicht niemanden. Aus der Krisenregion kommen kaum Informationen durch.“
Besonders besorgt ist Walter um eine Lodge in dem zerstörten Gebiet. „Das war eine einfache Touristenunterkunft direkt im Katastrophengebiet in Nepal, mit der wir zusammengearbeitet haben.“ Seinen Geschäftspartnern räumt er nur sehr geringe Überlebenschancen ein. „Die hat es mit voller Wucht getroffen, wir befürchten das Schlimmste.“
Vor allem indische Pilger in der Region
Nach Einschätzung des Nepal-Kenners könnte das wahre Ausmaß der Naturkatastrophe noch deutlich größer sein als bislang bekannt. „Ich bin mir sicher, dass die Opferzahlen noch steigen werden.“ Etwa an dem Grenzübergang, der direkt betroffen ist, könnten 1000 Personen betroffen sein. „Die meisten ausländischen Vermissten dürften indische Pilger sein. Dort standen viele voll besetzte Busse, allein dort dürfte es zahlreiche Tote geben.“ Hinzu kämen Händler, Reisende und Anwohner. „Es haben sich locker 1000 Menschen im Grenzbereich aufgehalten.“ Die von der chinesischen Grenzüberwachung aufgenommenen Videos ließen vermuten, dass viele davon nicht überlebt haben.
Die Katastrophe treffe zudem viele arme Familien entlang des Flusslaufs. „Viele Menschen haben keine andere Wahl, als ihre Blechhütten direkt am Wasser zu bauen. Wenn die Fluten kommen, trifft es sie mit voller Wucht“, so Walter.
Nur eine Straße in das Krisengebiet
Auch die Infrastruktur ist schwer beschädigt. Aufräumarbeiten laufen, doch wichtige Straßenverbindungen sind unterbrochen. „Es gibt nur eine Straße, die in das Gebiet führt. Fällt sie aus, gibt es keine Alternativroute. Entsprechend schwierig ist die Situation.“ Niemand könne daher einschätzen, wie schlimm die Lage wirklich sei.Doch das Ausmaß der aktuellen Zerstörung schockiert selbst den erfahrenen Nepal-Reisenden. „So etwas habe ich dort noch nie erlebt. Das ist von der Größe her richtig krass. Vergleichbar ist für mich nur das schwere Erdbeben in Nepal vor elf Jahren mit mehr als 8.000 Toten.“