Fußball, wie die Zeit vergeht! Vor nicht einmal einer Woche war Deutschland noch bei der WM und Julian Nagelsmann noch Bundestrainer. Die Welt spielt ungestört von unserer Rumpeltruppe weiter, und Nagelsmann ist zurückgetreten (worden). Man muss ihm anrechnen, dass er dem DFB bei der Abfindung finanziell entgegengekommen ist, wie man hört. Die Würde des Abgangs ist gerettet.
Jetzt kommt Jürgen Klopp. Die DFB-Bosse werden zu ihm in die USA fliegen und über eine gemeinsame Zukunft verhandeln, sofern der Magenta-Experte eine TV-Plauder-Pause einlegen kann. So weit, so klar! So klar, wie im Jahr 2000, als Christoph Daum Bundestrainer werden sollte – und der Plan haarscharf scheiterte.
Oder 2004 nach dem EM-Aus in Portugal und dem Völler-Abschied, als sich DFB-Präsident Mayer-Vorfelder mit Ottmar Hitzfeld traf. Ganz geheim in Sevilla. Ich will ja, sagte Hitzfeld. Doch Frau Hitzfeld wollte nicht und der DFB stürzte in Trainerlos-Chaos.
Zwischen Klopp und dem DFB steht noch ein millionenschweres Problem: Red Bull wird eine Ablöse verlangen für seinen „Global Head of Soccer“. Wie geht der gemeinnützige Verband mit dem Brause-Konzern um? Seid kreativ!
Der DFB könnte Klopp mit Werbung abstottern. „Bundestrainer powered by Red Bull“ auf Trainingsanzug und Mütze. In Spielpausen greift Klopp demonstrativ zur Dose. So kann es klappen mit Klopp.
Klopp wird Völler brauchen
Die zweite wichtige Personalie: Bleibt Sportdirektor Rudi Völler neben Klopp? In den vergangenen Tagen mag er an Rücktritt gedacht haben. Sorry, Rudi, das wäre die falsche Antwort auf die Krise! Im Gegenteil. Klopp wird Völler noch brauchen.
Rückblende. TV-Experte Klopp hatte zur WM-Eröffnung mit Thomas Müller geblödelt: „Julian Nagelsmann stellt die Mannschaft – noch. Noch!“ Als lustig formulierte und halb ernst gemeinte Bewerbung für den Job, kam das rüber. Völler stellte Klopp (und Müller) dafür in den Senkel: „Ihr seid ja mehr für die Komik zuständig.“
Völler tat genau, was man als Sportdirektor tun muss: sich vor den Bundestrainer werfen und ihn verteidigen – auf Völlersche Art. Rudi mag intern öfter seinen grauen Kopf geschüttelt haben über Nagelsmanns Auftreten und Entscheidungen. Doch nach außen galt: totale Loyalität! So gesehen sollte diese Szene Klopp ermutigen, mit Völler zusammenzuarbeiten.
Klopp ist einer der weltbesten Vereinstrainer. Doch als Coach beim schwierigen DFB, der einen ähnlich hohen Verschleiß auf der Bank hat wie früher Schalke oder der HSV, wäre er erst mal nur ein Anfänger. Da hilft es, die Last mit dem pragmatischen und populären Sportdirektor Völler zu teilen. Trotz Frust und Wut über die Nationalmannschaft wollen laut Insa-Umfrage (im Auftrag von BILD) die meisten, dass Rudi weitermacht. Was ebenso die Granden im DFB wünschen.
The-Normal-one-Klopp und Es-gibt-nur-ein-Rudi-Völler im Doppelpack? Packt’s an!