Kultur

Königliche Klassik

Königliche Klassik

Dramatischer geht es nicht: Siegfried liegt von Hagen ermordet am Ufer des Rheines. Brünnhilde beschließt, ihm auf ihrem Ross Grane in den Tod zu folgen und lässt daher einen Scheiterhaufen errichten. Als die Flammen lodern, reitet sie mit dem Ring ins Feuer. Walhall brennt. Der Rhein tritt über die Ufer, die Rheintöchter schwimmen herbei und ziehen mit dem reinen Rheingold ab, wobei sie Hagen, der dem Ring hinterherspringt, in die Tiefe ziehen. All das war auf der Bühne der Elbphilharmonie nicht zu sehen, als dort zum Konzertabschluss am Dienstagabend Trauermarsch und Schlussszene aus der „Götterdämmerung“ von Richard Wagner erklangen.

Catherine Foster sprang für Nina Stemme ein

Dennoch endete das Konzert vom Royal Swedish Orchestra beim Schleswig-Holstein Musikfestival (SHMF) mit seinem Höhepunkt. Denn die britische Sopranistin Catherine Foster sang zur Begleitung des Opernorchesters der schwedischen Nationaloper die Brünnhilde, die sie vor zwei Jahren bei den Bayreuther Festspielen mit großem Erfolg verkörperte, sensationell. Foster war für Nina Stemme eingesprungen, die krankheitsbedingt absagen musste. Schon zu Beginn des Abends hatte Foster den Liebestod aus „Tristan und Isolde“ ergreifend vorgetragen und damit das hohe Niveau für den weiteren Verlauf vorgegeben – das auch vom Orchester spielend gehalten wurde.

Für die Besucher des Konzerts war es spannend, den Chefdirigenten des NDR-Elbphilharmonie Orchesters, Alan Gilbert, in seiner Rolle als Musikdirektor und königlicher Hofkapellmeister zu erleben, der er seit 2021 auch ist. Natürlich bleibt er beim Dirigieren derselbe und ist doch ein anderer, denn die Beziehung zum Orchester, zu den Musikern ist jeweils eine eigene. Das Gastspiel aus Stockholm wurde zu einem überwältigenden Erfolg.

Nordische Sage, nordische Klänge

Das Royal Swedish Orchestra feiert im laufenden Jahr seinen 500. Geburtstag und zählt damit zu den ältesten Orchestern Europas. Und es kann nicht nur Oper, insbesondere Wagner in seiner ganzen Fülle, sondern verzauberte auch zwischen Opernauszügen mit der Serenade von Wilhelm Stenhammar (1871-1927), was sich klanglich wie inhaltlich gut fügte. Nicht nur war der schwedische Komponist von Wagner inspiriert, sein nordischer Ton erinnert in der skandinavischen Spätromantik entfernt an die nordische Ring-Sage, die dem Nibelungenlied zugrunde liegt.

Das Konzert wird im Rahmen des Schleswig-Holstein Musikfestivals am 19. August im Konzerthaus am Schloss in Kiel erneut aufgeführt. Für dieses Konzert gibt es noch Karten, auch der Abend in der Elbphilharmonie war nicht ganz ausverkauft – was nach dem Konzert noch unverständlicher wirkt, denn das zweieinhalbstündige „Best of Wagner“ in Kombination mit Stenhammar ergibt einen rundum erfüllenden Abend.

Kian Soltani und das Festival Orchester

Bereits an den beiden Vortagen war das SHMF in der Elbphilharmonie zu Gast – am Sonntag mit dem New Generation Festival Orchestra und am Montag mit dem Cellisten Kian Soltani und dem Schleswig-Holstein Festival Orchestra unter Leitung von Christoph Eschenbach. Der 86-Jährige legte den Weg zu einem hohen Hocker am Stock und in Begleitung zurück und dirigierte sitzend, was der Leitung des Konzerts keinen Abbruch tat. Es begann mit dem gefühlsgeladenen, virtuosen Cellokonzert a-Moll von Robert Schumann, das Soltani auf seinem Stradivari-Cello energiegeladen durchlebte und förmlich in den Saal schleuderte.

Als Zugabe spielte der virtuose Cellist dann seine Lieblingsmelodie aus dem „Herrn der Ringe“ von Howard Shore, das Soltani selbst für die Cellogruppe des Orchesters und einen Kontrabass arrangiert hatte – ebenfalls sehr gefühlvoll. Nach der Pause bot die Sinfonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvořák den jungen Musikern aller Instrumente durch die Bank Gelegenheit, ihr enormes Können unter Beweis zu stellen – am Ende der gemeinsamen, siebenwöchigen Zusammenarbeit beim Festival.

Musiker aller Länder, vereinigt euch

Das gelang ausgezeichnet, wobei der Mangel an Professionalität – der Klangkörper erinnerte immer wieder an eine Schulklasse, in der einzelne Schüler unruhig auf ihrem Stuhl herumrutschen, andere mit verschwörerischen Blicken untereinander den Lehrer, pardon, Dirigenten kommentieren etc. – durch Leidenschaft kompensiert wurde. Am liebsten hätte man der munteren internationalen Truppe dieses Jahrgangs am Ende zugerufen: Musiker aller Länder, vereinigt euch! Aber das ist ja ohnehin der Sinn der Sache, seit Leonard Bernstein das Festivalorchester 1987 ins Leben rief – nach dem Motto „Wer Musik verstehen will, muss sie zuerst selber machen.“

Das weitere Programm unter www.shmf.de/de/programm

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