Berlin/Brüssel – Nach dem versuchten Sprengstoffanschlag am Flughafen Leipzig/Halle verschärft die Bundesregierung den diplomatischen Kurs gegenüber Russland drastisch: Deutschland wird den Vorfall vor das höchste permanente Gremium des Militärbündnisses bringen. Wie BILD exklusiv aus Regierungskreisen erfuhr, wird der deutsche Nato-Botschafter das Thema der russischen Hybrid-Angriffe offiziell im Nato-Rat aufrufen.
Die wichtigsten Fakten im Überblick:
Höchste Alarmstufe: Deutschland nutzt das Treffen der Nato-Botschafter in Brüssel, um den Alliierten Beweise für die russische Urheberschaft des Drohnen-Plots vorzulegen.
Breite Allianz: Nach Informationen aus Diplomatenkreisen sichern die europäischen Kern-Alliierten Frankreich und Großbritannien Deutschland bereits volle Unterstützung bei den folgenden Strafmaßnahmen zu.
Rückendeckung vom Chef: Auch der Nato-Generalsekretär Mark Rutte (59) stellt sich demonstrativ hinter den deutschen Vorstoß und fordert eine geschlossene Antwort der Allianz auf die hybride Bedrohung aus Moskau.
Laut BILD-Informationen aus dem Kanzleramt hat Kanzler Friedrich Merz den versuchten Drohnen-Anschlag in Leipzig als Einschnitt empfunden, der zur Katastrophe hätte führen können. Er sei überzeugt, dass sich das Land „auf weitere hybride Angriffe einstellen“ muss.
Strafmaßnahmen gegen Moskau
Mit den jetzt beschlossenen Schritten hebt Berlin den Konflikt um die russischen Sabotage-Akte auf die transatlantische Ebene. Ein koordiniertes Vorgehen des Bündnisses gegen die russische Schattenflotte und andere Maßnahmen könnten unmittelbar bevorstehen. Die Bundesregierung werde sich bei der EU für die Sanktionierung weiterer russischer Verantwortlicher einsetzen.
Bei einer Pressekonferenz mit Innenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) hatte der Außenminister Johann Wadephul (63, CDU) bereits neue Strafmaßnahmen gegen Russland angekündigt. Das russische Generalkonsulat in Bonn werde zum 18. September geschlossen, sagte er. Zudem würden der Vertrag für das Russische Haus in Berlin gekündigt und die Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige verschärft.