Warschau/Berlin/Nürtingen – Wurde für den Brandanschlag auf eine für die Ukraine wichtige Starlink-Station eine der gefährlichsten türkischen Verbrecherbanden Europas eingesetzt? Nach Informationen der Zeitung WELT (gehört wie BILD zu Axel Springer) führt eine Spur zu den berüchtigten „Daltons“. Der Verdacht: Mitglieder könnten die Sabotage im Auftrag russischer Geheimdienste ausgeführt haben.
Die beiden am Montag in Nürtingen (Baden-Württemberg) festgenommenen Türken (34, 38) sollen möglicherweise selbst zu den „Daltons“ gehören oder von Anhängern der Bande beauftragt worden sein, wie das Nachrichtenmagazin SPIEGEL zuerst berichtete. Ihr mutmaßlicher Boss Beratcan Gökdemir (29) wurde 2024 in Russland geschnappt. Obwohl die Türkei seine Auslieferung verlangte, soll Russland ihn anschließend laufen gelassen und sogar unterstützt haben.
Wurden die „Daltons“ angeworben?
Die Bande ist auch in Deutschland aktiv und wird unter anderem mit Schutzgelderpressungen, Waffenhandel und Auftragsmorden – zum Beispiel in Berlin und Köln – in Verbindung gebracht.
Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnte der Fall für eine neue Strategie russischer Geheimdienste stehen: Statt einzelne Personen anzuwerben, würden demnach immer öfter Profi-Kriminelle für Sabotageakte eingesetzt. Polens Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak (59) hatte bereits erklärt, russische Dienste griffen verstärkt auf Menschen aus dem kriminellen Milieu zurück.
Festnahmen in Nürtingen und Berlin
Nach Informationen von WELT wurden die beiden Türken Ende September beim Grenzübertritt nach Polen und später bei der Ausreise beobachtet. Anfang der Woche konnten sie mit europäischen Haftbefehlen von Spezialkräften der Polizei festgenommen werden. Das Oberlandesgericht Stuttgart entscheidet über ihre Auslieferung nach Polen. Einer der Männer besaß nach polnischen Angaben einen deutschen Aufenthaltstitel, der andere sollte abgeschoben werden. Bei der Rekonstruktion halfen den Ermittlern Videos, Fingerabdrücke, DNA-Spuren und Bewegungsdaten.
Ein Auto, mit dem die zwei Männer unterwegs waren, hatte laut WELT ein Berliner Kennzeichen. Es soll auf eine Frau aus Halle zugelassen sein. Die dritte Person, die mit den Türken im Wagen saß, ist bislang nicht identifiziert. Dem Mann, den SEK-Beamte in Berlin-Staaken stoppten, konnte keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden.
Akt des „hybriden Krieges“
Am 23. September brannten Teile einer Starlink-Bodenstation in Wola Krobowska südlich von Warschau. Laut „Schwäbische“ soll Brandbeschleuniger zum Einsatz gekommen sein. Die Anlage ist für die Internetverbindungen der Ukraine von großer Bedeutung. Deren Militär nutzt Starlink unter anderem für seine Kommunikation. Polens Regierungschef Donald Tusk (69) sprach von einem weiteren Akt des „hybriden Krieges“. Warschau ist überzeugt, dass russische Geheimdienste hinter dem Anschlag stehen. Öffentlich vorgelegte Beweise dafür gibt es bislang nicht.