Berlin – Die Lage in Deutschland ist besser als die Stimmung! Davon ist Stefan Hoops (46), Vorstandschef des größten deutschen Vermögensverwalters DWS, überzeugt. Hoops hält es im BILD-Interview („Es gilt das gesprochene Wort“) sogar für möglich, dass Deutschland vor einem „goldenen Jahrzehnt“ steht: mit bis zu 4 % Wirtschaftswachstum, deutlich steigenden Löhnen und Renten. Bedingung allerdings: Die geplanten Reformen müssen kommen!
Hoops: „Wir erleben den ersten Schritt: Der Staat hat die Wirtschaft angekurbelt. Da muss man sagen: Hochachtung, die Regierung hat genau das erreicht, was sie wollte. Jetzt kommt der schwierige Teil, wir brauchen Reformen: die Arbeitswelt, die Rente, der Bürokratieabbau und weitere Themen. Das macht keinen Spaß.“
Für die Betroffenen sei das hart, so Hoops: „Aber diese gemeinsame Anstrengung ist nötig, damit wir in den nächsten zehn bis 15 Jahren ein goldenes Jahrzehnt erleben können.“ Er sei überzeugt, „dass wir in den 2030er-Jahren drei bis vier Prozent Wirtschaftswachstum erreichen können. Davon würde die gesamte Bevölkerung profitieren“.
Viele Menschen schauen ihren Geldbeutel und fragen: Was bringt mir das Wirtschaftswachstum? Wann merke ich was davon? Hoops: „Wir brauchen Wirtschaftswachstum, damit wir höhere Löhne zahlen, Jobs sichern und in Bildung und Umweltschutz investieren können. Auch Rente und Gesundheit hängen davon ab. Wir sollten uns also darauf verständigen, dass Wachstum etwas Gutes ist.“
Wo müssen wir also ran? Hoops: „Wir arbeiten weniger als Menschen in anderen Ländern und gehen im Vergleich relativ früh in Rente. Das muss sich teilweise ändern.“ Der DWS-Chef warnt davor, bei der Rentendebatte nur auf die eigenen Nachteile zu schauen. „Jeder muss Unbequemes auf sich nehmen – im Vertrauen darauf, dass die anderen ebenfalls mitmachen.“
Auch bei der privaten Altersvorsorge sieht Hoops Reformbedarf. Junge Menschen sollten möglichst früh mit dem Investieren anfangen – auch mit kleinen Beträgen. „Ein Sparplan über zehn Euro im Monat reicht für den Anfang.“ Sein wichtigster Rat: „Lasst Geld für euch arbeiten, indem ihr es investiert.“
Dabei sieht Hoops Deutschland von außen deutlich optimistischer als viele Deutsche selbst. „Das Ausland mag uns sehr“, sagt der DWS-Chef. Investoren sähen hier „kluge Menschen, tolle Unternehmen, geringe Verschuldung, vernünftige Infrastruktur und Rechtsstaatlichkeit“. Deshalb gebe es großes Interesse, doch Hoops hört auch immer wieder Zweifel: „Allerdings stellt sich immer wieder die Frage, ob ausländisches Kapital willkommen ist.“
10 Euro im Monat reichen
Was ist gefährlicher: eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt oder eine Partei wie die Linke in Berlin? Hoops: „Solche Themen werden im Ausland sehr genau beobachtet. Vergesellschaftung oder Verstaatlichung ist insofern gefährlich, als sich Investoren fragen: Die Wohnungsnot ist verstanden – aber wollt ihr morgen auch das Stromnetz verstaatlichen, das ich finanziere?2 Hoops blickt immer wieder auf das große Ganze: „Investoren würden uns ermutigen, Zukunftsthemen stärker anzugehen, statt vor allem über einzelne Landtagswahlen zu diskutieren. Werden wir 2036 wirklich zurückblicken und sagen: Gut, dass wir vor zehn Jahren das ganze Jahr über Landtagswahlen im Osten diskutiert haben und nicht über künstliche Intelligenz?“
Auch bei der privaten Altersvorsorge sieht Hoops Reformbedarf. „Eine kapitalgedeckte Vorsorge, wie es sie in vielen anderen Ländern gibt, hätten wir in Deutschland schon vor 20 Jahren einführen sollen“, sagt der DWS-Chef. Junge Menschen sollten möglichst früh mit dem Investieren anfangen – auch mit kleinen Beträgen. „Ein Sparplan über zehn Euro im Monat reicht für den Anfang.“ Sein wichtigster Rat: „Lasst Geld für euch arbeiten, indem ihr es investiert.“