Ceuta – Feuer, Tränengas, wütende Demonstranten: In der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta eskaliert die Lage nach dem Massenansturm Zehntausender Migranten immer weiter. Am Strand Benítez, wo Migranten seit Wochen campieren, legten Demonstranten Feuer. Aufnahmen des spanischen Fernsehens zeigen, wie immer wieder Gegenstände und Habseligkeiten der Migranten in die Flammen geworfen werden. Die Menschen in dem Lager zogen sich auf eine Mole zurück, Polizisten stellten sich zwischen sie und die Demonstranten.
Unter den Demonstranten sollen sich auch Hooligans befunden haben. Entsprechende Accounts aus der europäischen Hooligan-Szene behaupten, Mitglieder mehrerer Gruppen seien eigens vom spanischen Festland nach Ceuta gereist. Genannt werden unter anderem „Sancionados Sixtinos Firm“ und „Stukas Sur“.
Zuvor hatten Dutzende Bewohner mit einer Sitzblockade versucht, Fahrzeuge des Roten Kreuzes aufzuhalten. Die Helfer wollten Lebensmittel und Wasser zu den Migranten bringen.
Polizei setzt Tränengas ein
Schon am Mittwochabend hatte die Polizei Demonstranten und Migranten mit Tränengas auseinandergetrieben. Videoaufnahmen zeigen zudem offenbar den Einsatz von Gummigeschossen gegen Protestierende.
Auch vonseiten der Migranten kam es zu Gewalt: Am Donnerstag wurde ein spanisches Militärfahrzeug mit Steinen und anderen Gegenständen beworfen. Ein Soldat wurde leicht verletzt. Zwölf marokkanische Staatsbürger wurden anschließend festgenommen.
Hintergrund der aufgeheizten Lage ist der gewaltige Massenandrang Ende Juli: Bis zu 80.000 Migranten kamen damals aus Marokko nach Ceuta, viele schwimmend. Mindestens 96 Menschen starben nach offiziellen Angaben. Die meisten Migranten kehrten anschließend zurück, mehrere Tausend halten sich aber weiterhin in der nur rund 84.000 Einwohner zählenden Exklave auf.
Regierung Sánchez unter Druck
Die Krise wird für Spaniens linken Ministerpräsidenten Pedro Sánchez (54) zunehmend zum politischen Problem. Die konservative Opposition wirft seiner Regierung Kontrollverlust vor und fordert schnellere Rückführungen nach Marokko. Die Regierung Sánchez steht zugleich wegen widersprüchlicher Angaben darüber unter Druck, ob der Geheimdienst vor dem Massenandrang gewarnt hatte. Am 3. September muss sich Sánchez im Parlament zur Ceuta-Krise erklären.