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Berlin – Tankkrise killt etliche Mini-Jobs: Kult-Tankstelle entlässt Mehrheit der Mitarbeiter

Berlin – Tankkrise killt etliche Mini-Jobs: Kult-Tankstelle entlässt Mehrheit der Mitarbeiter
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Berlin – Vor drei Tagen war Steven Gröbler (38) bei seinem Steuerberater. In den Nächten danach wälzte er sich im Bett hin und her. Jetzt, um 19 Uhr, hat der Berliner Kult-Tankstellenbesitzer (Motto: „Biste leer, kommste her“) seine Mitarbeiter einbestellt – fünf von acht wird er gleich kündigen.

„Für mich ist es das erste Mal, dass ich was machen muss, was ich nicht machen will“, sagt Gröbler angespannt. In der Halle stehen seine Leute im Halbkreis um ihn herum. Die beiden jüngsten sind 18 Jahre, Britta, die älteste, ist 65. „Bevor ich das Ding an die Wand fahre, muss ich die Notbremse ziehen“, sagt der Unternehmer. Ema (18) bricht in Tränen aus, lehnt sich an die Schulter ihrer Nachbarin. Nur drei können bleiben, darunter Olaf (54), der Schlosser. „Die Werkstatt hilft uns, überhaupt existieren zu können“, sagt Gröbler.

Privat alle Autos verkauft

Damit seine Firma bekannter wird, hat Gröbler einiges unternommen: Mit einem Schweizer Klo-Papier-Millionär organisierte er eine Gratis-Tank-Aktion für Familien. Er steckte auch privat zurück und verkaufte zwei Autos – seinen weißen Mercedes CLK und seinen Smart. Der Berliner: „Ich fahre jetzt E-Roller. Die Shop-Einkäufe mache ich mit Car-Sharing.“

Die Tankkrise killt etliche Mini-Jobs

„Das ist ein fließender Prozess. Die großen Gesellschaften fordern von ihren Pächtern, die Personalkosten zu senken. Viele machen jetzt nachts komplett zu“, weiß Hans-Joachim Rühlemann (75), Vorstand vom Tankstellenverband Nordost (VGT).

Im Shop 35 Prozent weniger Umsatz

Chef Gröbler rechnet sein Dilemma offen vor: „Beim Benzin hatten wir in den vergangenen Monaten einen Rückgang um 27 und beim Shop um 35 Prozent.“ Im Februar musste er 8000 Euro zubuttern, im März 2000 Euro, im April ging es gerade so plus/minus Null aus. „Wenn der Tankrabatt ab Juli wegfällt, wird es garantiert wieder schlechter“, fürchtet der Berliner.

Verbandschef Rühlemann weiß: „Dass die Kundenfrequenz beim Tanken sinkt, trifft die Pächter nicht so sehr. Sie bekommen von ihren Mineralölgesellschaften einen festen Betrag.“ 0,8 bis 1,23 Cent je Liter. Entscheidend sei hingegen der Shop-Umsatz mit Kaffee, Zigaretten, Zeitungen – und der sinke rapide.

Der gerade gekündigte Marcus (56) hat neben seinem Angestellten-Job seit zwei Jahren am Wochenende an der Kasse ausgeholfen. „In meinem Alter war es schwierig, diesen Mini-Job überhaupt zu finden. Ich habe damit das Studium meiner Kinder finanziert“, sagt der Vater.

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