Politique

Eiskalt! Wie Putins Geliebte Alina Kabajewa ihre Ziehmutter entmachtet hat

Eiskalt! Wie Putins Geliebte Alina Kabajewa ihre Ziehmutter entmachtet hat
TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Fast ein Vierteljahrhundert galt Irina Winer (77) als Zarin der russischen Sportgymnastik. Ohne ihr „Da!“ (Russisch für Ja) ging für Athletinnen NICHTS im Riesenreich zwischen Kaliningrad und Kamtschatka. Doch die Turn-Ziehmutter ist eiskalt abserviert worden – ausgerechnet von ihrer ehemaligen Musterschülerin Alina Kabajewa (43)! Seitdem herrscht ein Zickenkrieg im Kreml, bei dem es längst um mehr geht als sportliche Vorherrschaft.

Auf der einen Seite die verratene Mentorin Winer. Wegen ihrer extremen Härte stets gefürchtet statt geliebt, hat sie jahrelang für Wladimir Putin (73) bei dessen Scheinwahlen getrommelt. Auf der anderen Seite Kabajewa. Sie gilt längst nicht mehr nur als heimliche Geliebte des Kreml-Despoten, sondern als Mutter zweier gemeinsamer Kinder. War es die Beziehung zum Kriegstreiber, die der einstigen Weltklasse-Sportgymnastin und Olympiasiegerin eine beachtliche Karriere im Machtapparat des Autokraten beschert hat?

Warum Winers Macht zu bröckeln begann

Fakt ist: Kabajewa brachte es von der einfachen Duma-Abgeordneten zur Vorsitzenden der National Media Group – einem Großkonzern, der die Russen mit Putin-Propaganda beschallt. Nebenbei baute sie eine Sportakademie auf, deren Name sich aus dem Russischen am ehesten mit „Himmlische Anmut“ übersetzen lässt. Wegen dieser Akademie eskalierte der Machtkampf mit ihrer früheren Förderin.

Winer entschied darüber, wer die stolze – und nicht selten gedopte – Sportnation im auch nach dem Zerfall der Sowjetunion fortbestehenden Systemkampf mit dem Westen vertreten durfte. Dieses Machtmonopol begann im Sommer 2021 zu bröckeln. Damals verpasste Russland bei den Olympischen Spielen in Tokio, die wegen der Pandemie um ein Jahr verschoben werden mussten, die fest eingeplanten Goldmedaillen. Kurz darauf nahm Kabajewas Schule ihre Arbeit auf. Sie wurde mit großzügigen finanziellen Mitteln und weitreichenden Sonderrechten ausgestattet – ein Affront für Winer.

Verbal-Attacke gegen Kabajewa

Nach zahlreichen Sticheleien kam es 2024 in Kasan zum offenen Bruch. Bei den BRICS-Spielen – einem Sportevent von Staaten, die es mit Menschenrechten nicht so genau nehmen – trat Russland gleich mit zwei Mannschaften an: der Nationalauswahl und Athletinnen von Kabajewas Akademie „Himmlische Anmut“.

Pikant: Die Turn-Hoffnung Maria Borissowa war kurz vor der Veranstaltung zum Kabajewa-Lager übergelaufen. Das Talent zeigte eine beeindruckende Leistung. Sehr zum Ärger von Winer, die dafür zunächst die Kampfrichter rundmachte. Bei einem anschließenden Wortgefecht brüllte sie Kabajewa Zeugen zufolge an: „Deine Maria soll sich verpissen!“ Gefolgt von einem Schimpfwort – obszön genug, dass es keinen Einzug in die spärliche Berichterstattung über den Vorfall gefunden hat.

Winer holt sich Verstärkung

Offenbar hatte sich Winer mit der Falschen angelegt. Denn nach dem Tribünenkrach wurde ihr Verband kurzerhand aufgelöst, das Amt der Nationaltrainerin musste sie niederlegen. Die Zarin schäumte. Und tat, was man in einem von Vetternwirtschaft durchzogenen System in solchen Fällen tut: Sie holte sich Verstärkung bei einem hemdsärmeligen Oligarchen. Praktischerweise war sie fast 30 Jahre lang mit einem verheiratet.

Alischer Usmanow (72) gehört zur ersten Riege der russischen Ellbogen-Elite. Der rund 14 Milliarden Dollar schwere Geschäftsmann hat sein Geld erst mit Plastiktüten und Kippen, später im großen Stil mit Rohstoffen gemacht. Zum krakenhaften Konglomerat des Usbeken gehört auch „Kommersant“ – eine Tageszeitung, die als einzige kritisch über Alina Kabajewa berichtet.

So wird Kabajewa von „Kommersant“ kritisiert

Kabajewa-Kritik 1: Die EM der Rhythmischen Sportgymnastik. Schon vor dem Turnier, das am vergangenen Wochenende endete, hatte es Stunk gegeben. Denn von 15 Athletinnen der Nationalmannschaft hatten 14 einen Bezug zur „Himmlischen Anmut“. Selbst im an Seilschaften gewohnten wie geplagten Russland liefen Turnfans Sturm gegen diese Willkür.

Offenbar zu Recht, denn bei der EM in Bulgarien blieben die Russinnen hinter ihrer früheren Dominanz zurück. Bezeichnend: Während „Kommersant“ das Ergebnis entsprechend einordnete, drehte sich die allgemeine Berichterstattung darum, dass Russland „endlich“ wieder unter eigener Flagge auflaufen durfte. Das Land war wegen seines völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen die Ukraine jahrelang sanktioniert worden.

Kabajewa-Kritik 2: Der Korruptionsskandal um die „Himmlische Anmut“. Beim Bau der Schule wurden laut russischem Innenministerium 8 Milliarden Rubel (entspricht rund 95 Millionen Euro) veruntreut, weitere 1,5 Milliarden Rubel (18 Millionen Euro) gewaschen. Dafür müssen sich 13 Personen vor Gericht verantworten, darunter Top-Manager von Gazprom.

Nach Bekanntwerden des Verfahrens verschwanden Berichte in russischen Medien wie von Geisterhand oder wurden geschönt – einzig „Kommersant“ ließ die Story stehen. Dass die Öffentlichkeit über das Geflecht aus Staatskonzern und Sport sowie etwaige Verbindungen zu Kabajewa(‑Vertrauten) umfassend informiert wird, darf allerdings bezweifelt werden. Der Karriere der 43-Jährigen tut der Korruptionsskandal keinen Abbruch. Es gibt Spekulationen, dass sie Putins Sportministerin werden wird.

Vous avez peut-être manqué