Dass es im Handball auf dem Balkan heißblütig zu geht, ist seit jeher bekannt. Das, was jetzt in der Finalrunde um die serbische Meisterschaft zwischen RK Vojvodina und Partizan Belgrad geschehen ist, gab es in dieser Form allerdings noch nie.
Mittwochabend wurde in der „Sportska hala Slana Bara“ in Novi Sad das zweite Spiel der Finalserie um den Serben-Titel angeworfen, Titelverteidiger Partizan Belgrad hatte die erste Partie 33:27 gewonnen. Spiel 2 endete in der 15. Spielminute mit einem lauten Knall.
Handball: Böller-Skandal in Serbien
Schon in der 2. Minute kam es zum ersten Vorfall. Aus dem Block, in dem sich rund 150 Fans von Partizan Belgrad aufhielten, flog ein erster Böller auf die Platte, das Spiel ging weiter. In der 15. Minute eskalierte die Situation, Rekordmeister Vojvodina war bei 6:5-Führung im Angriff auf das Tor vor dem Belgrader Fanblock. Ein Böller explodierte links neben dem Tor, fast alle Spieler zuckten vor Schreck zusammen. Das Spiel wurde für rund eine Stunde unterbrochen, ein großer Teil der Zuschauer verließ fluchtartig und verängstigt die Halle.
Sicherheitskräfte versuchten während der Unterbrechung erfolglos, den Auswärtsblock zu leeren. Der technische Delegierte legte fest, dass das Spiel fortgesetzt werden müsse. Die Spieler von Partizan Belgrad kehrten daraufhin auf das Spielfeld zurück, die Mannschaft von Vojvodina lehnte die Fortsetzung wegen unklarer Sicherheitslage jedoch ab.
Die finale Entscheidung: Spielabbruch, die Partie wurde offiziell mit 10:0 für Partizan Belgrad gewertet, was gleichzeitig den erneuten Titelgewinn bedeutet. Die Handball-Profis aus Belgrad feierten zusammen mit ihren Fans, in der Halle kam es zu bizarren Szenen.
Offen ist nun, ob RK Vojvodina gegen die Entscheidung vorgehen wird. Denkbar ist, dass dieser Skandal im Nachgang die serbischen Handball-Sportgerichte beschäftigen könnte.