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Mauerfall: Geheimdeal um Schabowski-Zettel. BILD klagte Verträge frei

Mauerfall: Geheimdeal um Schabowski-Zettel. BILD klagte Verträge frei
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Berlin/Bonn. Ohne den handschriftlichen Fahrplan von SED-Politbüromitglied Günter Schabowski (†86) für die historische Pressekonferenz am 9. November 1989 wäre die Berliner Mauer möglicherweise nicht in derselben Nacht gefallen. 11 Jahre machte das Haus der Geschichte ein Geheimnis darum, wie und von wem der lange verschollene Schabwoski-Zettel angekauft wurde. Nach einer erfolgreichen Klage liegen BILD jetzt die Kaufverträge für das historische Dokument vor.

„Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“

Das waren die entscheidenden Worte, die die Mauer zu Fall brachten. Ausgesprochen von SED-Politbüromitglied Günter Schabowski (†86) auf seiner berühmten Pressekonferenz in Ost-Berlin. Tatsächlich trat die Regelung erst am nächsten Tag in Kraft und die DDR-Bürger hätten Visa beantragen müssen.

Als das Haus der Geschichte im Jahr 2015 verkündete, man habe das historische Dokument für 25.000 Euro angekauft, erhob Irina Schabowski, die Ehefrau des ehemaligen SED-Politbüromitglieds, schwere Vorwürfe. „Das ist der kaltblütige Verkauf einer gestohlenen Sache“, sagte sie damals. Doch das Haus der Geschichte bestand auf Anonymität des Erst- und Zweitverkäufers. Eine Bekanntgabe des Namens würde „Friede und das Lebensglück“ des Verkäufers und seiner Familie zerstören.

Im März hatte BILD nach einem jahrelangen und gewonnenen Rechtsstreit enthüllt, dass es sich bei dem ominösen Erstverkäufer um Thomas Schalck-Golodkowski (69) handelt, den Sohn des DDR-Devisenbeschaffers und SED-Bonzen Alexander Schalck-Golodkowski (†82). Und jetzt ist klar: Auch der Zweitverkäufer Uwe Krüger (73), der das Dokument an das Haus der Geschichte verkaufte, hatte enge Verbindungen zur DDR-Elite. Er ist der Schwiegersohn von Günter Mittag (†67), Mitglied im SED-Politbüro und ZK-Sekretär für Wirtschaftsfragen.

In dem BILD vorliegenden Kaufvertrag zwischen Thomas Schalck-Golodkowski und dem Zweitverkäufer Uwe Krüger heißt es: „Th. Schalck versichert, Eigentümer des Dokuments zu sein. Rechte Dritter bestehen nicht.“ Eine Behauptung, der die Familie des im Jahr 2015 verstorbenen Günter Schabowski widerspricht. Sie hatten nach dem Ende der DDR einige historische Dokumente an Bekannte verliehen und nicht zurückbekommen.

So lief der geheime Deal

Als Kaufpreis wurde in dem Vertrag vom 1. Juni 2006 die Summe von 12.650 Euro vereinbart. Kurios: Bei Übergabe des Schabowski-Zettels zahlte Krüger nur 3500 Euro. Der Rest war ein Tauschhandel. Krüger verrechnete 3500 Euro Schulden, die Schalck bei ihm hatte, und übergab ihm 19 Container im Wert von 6650 Euro. Die Gesamtsumme lag allerdings 1000 Euro über dem Kaufpreis, offenbar ein Vertragsfehler.

Der Vertrag über den Erstverkauf des historischen Dokuments enthüllt: Der Sohn von Alexander Schalck-Golodkowski kassierte auch bei dem Deal mit dem Haus der Geschichte ab. Die Vereinbarung beinhaltete auch ein Versprechen: Uwe Krüger verpflichtete sich, bei einem Weiterverkauf den Gewinn mit Thomas Schalck-Golodkowski zu teilen. Somit profitierte ein ehemaliger hauptamtlicher Stasimitarbeiter von dem Kaufpreis, den die bundeseigene Stiftung Haus der Geschichte zahlte. Denn der Sohn des schillernden DDR-Bonzen war Stasi-Hauptmann und führte in seiner Funktion inoffizielle Mitarbeiter der DDR-Geheimpolizei.

121.142 Euro für Anwälte

Um die Identität von Uwe Krüger und Stasi-Hauptmann Thomas Schalck-Golodkowski geheim zu halten, gab das Haus der Geschichte zur Abwehr der Auskunftsansprüche von BILD und des Antrags auf Akteneinsicht nach dem Informationsfreiheitsgesetz unglaubliche 121.142 Euro für Anwälte aus. Dabei ist die angebliche Forderung des Verkäufers Krüger nach Geheimhaltung seines Namens nicht mal Bestandteil des Kaufvertrags.

Besonders seltsam: Die Frau von Uwe Krüger und Tochter von Günter Mittag trat 2006 in der TV-Doku „So lebte das Politbüro“ auf und gab mehrere Interviews. Uwe Krüger selbst äußerte sich im Dezember 1989 zu seinem privilegierten DDR-Leben in BILD am SONNTAG. Als der Deal um den Schabowski-Zettel abgeschlossen wurde, kannte die Stiftung Haus der Geschichte nicht mal den prominenten Familienhintergrund von Uwe Krüger. Eine Sprecherin zu BILD: „Dem Haus der Geschichte war zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht bekannt, dass der Zweitverkäufer der Schwiegersohn des DDR-Politbüromitglieds Günter Mittag war.“

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