London (Großbritannien) – Machtwechsel in London – schon wieder! Großbritannien hat einen neuen Premierminister: Andy Burnham übernimmt das höchste Regierungsamt im Vereinigten Königreich. Am Mittag wurde er von König Charles III. mit der Regierungsbildung betraut. Burnham tritt die Nachfolge seines zurückgetretenen Parteikollegen Keir Starmer (63) an – und ist damit der siebte Briten-Premier seit dem Brexit-Referendum 2016.
Wer ist der neue Mann im Vereinigten Königreich, der wegen seiner Beliebtheit in Manchester als „König des Nordens“ bezeichnet wird? BILD erklärt zehn Fakten über Andy Burnham:
1. Ehefrau hat TV-Vorgeschichte
Burnhams Ehefrau Marie-France van Heel, geboren in den Niederlanden und aufgewachsen in Belgien, ging als Studentin in Cambridge in eine TV-Dating-Show („Blind Date“) und flog am Ende mit einem Mann nach Gibraltar – obwohl sie schon mit Burnham zusammen war. Der Rivale machte später ausgerechnet bei den Konservativen Karriere. Am Ende entschied sich Marie-France aber für Burnham. Das Paar hat drei erwachsene Kinder (1 Sohn, 2 Töchter).
2. Start als Fachjournalist
Burnham studierte englische Literatur. Sein erster Job nach der Uni: Journalist bei „Tank World“, einem Fachblatt mit Schwerpunkt Tankcontainer und Industrie-Logistik.
3. „Downing Street North“
Regionale Spannungen gibt es nicht nur in Deutschland oder Italien, sondern auch in Großbritannien – dort zwischen der reichen Hauptstadtregion und dem ärmeren Norden. Burnham will als Premier nicht ausschließlich von London aus regieren, sondern regelmäßig auch aus Manchester. Er spricht bereits von „Downing Street North“.
4. Fußballtrikot statt Anzug
Burnhams Vater Kenneth „Roy“ Burnham arbeitete als Telekommunikationsingenieur, seine Mutter saß am Empfang einer Arztpraxis. Burnham sagte über seine Kindheit: Es gab keine Auslandsurlaube, aber auch keine Armut. Ursprünglich wollte der künftige Premier nicht in Cambridge studieren, erklärte, dass er sich da fehl am Platz fühle. Aus seiner Herkunft machte er dort dann aber kein Hehl und lief auch an der Elite-Uni demonstrativ im Fußballtrikot herum.
5. Der Briten-Söder
Keir Starmer gilt als britische Version von Olaf Scholz: sachlich und nüchtern. Burnhams deutsches Pendant ist Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59, CSU): emotional, regional verwurzelt, Versteher der „Leute draußen“ und kein großer Fan der Hauptstadtblase.
6. Bier statt Kuchen
Auf die Frage nach seinem Lieblingskuchen erklärte Burnham einmal: „Ich esse keine Süßigkeiten. Gebt mir lieber ein Bier und Pommes mit Bratensoße.“
7. Andy, der Raufbold
Burnham wuchs mit zwei Brüdern auf, die ebenfalls studierten und beide im Bildungsbereich arbeiten, der eine als College‑Chef, der andere als Schulleiter. In ihrer Kindheit spielten die drei im Garten ständig Fußball und gerieten regelmäßig aneinander, wie seine Mutter erzählte: Andy „teilte am meisten aus“, sagt sie, machte danach aber brav seine Hausaufgaben.
8. DJ mit Oasis-Sound
Der künftige Premier hat früher als DJ aufgelegt, bevorzugt Musik aus dem Großraum Manchester: Oasis, The Smiths und New Order.
9. Meinungsänderung
Burnham arbeitete 2005 im Rang eines Juniorministers im Londoner Innenministerium und kümmerte sich damals um die geplante und heftig umstrittene Identity Card (eine Art Personalausweis). Heute fährt er einen anderen Kurs und will ein ähnliches, aber viel moderneres Digital-ID-Projekt seines Vorgängers stoppen.
10. Sein Vater ist dement
Burnhams Vater leidet an Demenz und lebt in einem Pflegeheim. Kurz vor der Ernennung besuchte Burnham ihn dort – mit einer seiner Töchter und den beiden Brüdern. Sein Vater bekommt nicht mehr mit, dass einer seiner Söhne jetzt Premierminister ist.