Cloppenburg – Neun Sitze errang die AfD bei der Stadtratswahl in Cloppenburg. Doch ausgerechnet einer der direkt gewählten Kandidaten ist der Rechtsaußen-Partei nun unfreiwillig abhandengekommen: Andreas Bluhm (66) machte beim Ausfüllen eines wichtigen Formulars ein folgenschweres Kreuz.
Statt sein Mandat anzunehmen, erklärte er schriftlich auf dem Vordruck der Gemeindewahlleiterin den Verzicht auf seinen Sitz. Dabei ist die AfD im Stadtrat ohnehin knapp aufgestellt: Mangels ausreichend vieler Kandidaten kann sie nur fünf der neun gewonnenen Sitze besetzen. Die Stadtverwaltung bestätigte der Nordwest-Zeitung auf Anfrage, dass Bluhm „in einer fristgerecht eingereichten schriftlichen Erklärung sein Mandat abgelehnt“ habe. Die Ablehnung des Mandats kann nicht widerrufen werden.
Bluhm: „Ich ärgere mich gewaltig“
Rentner Andreas Bluhm hatte sich nach eigenen Angaben riesig auf die Arbeit im Stadtrat gefreut, wie er gegenüber der Nordwest-Zeitung berichtet: „Ich war ganz wild darauf, in den Stadtrat zu kommen.“ Mit 540 Stimmen habe er auch ein gutes Ergebnis erzielt und sei direkt gewählt worden. „Bis Dienstag war mir nicht klar, dass ich dem nächsten Stadtrat nicht angehören werde“, so Bluhm.
„Mir wurde richtig schlecht, als ich das erfahren habe.“ Das Missgeschick könne er sich nicht erklären. „Ich ärgere mich gewaltig.“ Nachdem er die Erklärung angekreuzt und unterschrieben hatte, habe er den Zettel in den Briefumschlag gesteckt und per Post zurück an die Gemeindewahlleiterin geschickt. Besonders bitter: Hätte er den Brief einfach nicht ausgefüllt und zurückgeschickt, hätte die Wahl als angenommen gegolten.
Auch die aktuelle AfD-Fraktionsvorsitzende Iris Hermes äußerte sich am Mittwoch unglücklich über die Situation. „Mir war vor der Wahl klar, dass wir mehr Stimmen bekommen, als wir Kandidaten haben. Dass wir jetzt einen weiteren Sitz verlieren, ist ärgerlich“, sagte die wiedergewählte Ratsfrau der Nordwest-Zeitung. Die AfD hatte bei der Stadtratswahl 22,29 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereint. Derzeit besteht die Fraktion aus zwei Personen.