München/Dachau – Ergreifender Nachmittag für das Frauen-Team des FC Bayern! Die Doublesiegerinnen besuchten mit Trainer José Barcala (44), Direktorin Bianca Rech (45) und dem Sportlichen Leiter Francisco De Sá Fardilha (40) die KZ-Gedenkstätte Dachau im Norden von München. Wie intensiv die Spielerinnen die NS-Geschichte und Gräueltaten der Nazis dort erlebten, war aus ihren Gesichtern abzulesen!
Vor dem KZ-Besuch gab es für die Stars am Bayern-Campus an der Ingolstädter Straße bereits eine Einführung ins Thema durch die Klub-Initiative „Rot gegen Rassismus“. Schon dort lag der Fokus auf der Geschichte des FC Bayern in der NS-Zeit und auf der des ehemaligen Vereinspräsidenten Kurt Landauer (†77).
Ex-Bayern-Präsident Landauer war im KZ Dachau
Landauer hatte den Rekordmeister 1932 zur ersten Deutschen Meisterschaft geführt. Später wurde er wegen seiner jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt und im Zuge der Novemberpogrome 1938 ins KZ Dachau verschleppt. Dort war er 33 Tage lang inhaftiert. 1939 gelang ihm die Emigration in die Schweiz. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm Landauer von 1947 bis 1951 erneut die Präsidentschaft und baute den FC Bayern wieder auf. Der heutige Präsident Herbert Hainer (72) bezeichnet ihn als „Vorbild der Versöhnung, über Generationen hinweg“.
Darüber hinaus erinnerte die Führung von Dr. Gabriele Hammermann, Leiterin der Gedenkstätte, an die weiteren jüdischen Bayern-Mitglieder, die verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Die Bayern-Frauen wurden über das ehemalige SS-Gelände, durch den Eingangsbereich, über den Appellplatz, zu den rekonstruierten Baracken und zum ehemaligen Krematorium geführt.
Am Ende zündeten sie noch Kerzen an der Evangelischen Versöhnungskirche an – dem Gründungsort der Initiative „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung im Fußball engagiert.
Rech: „Daraus Schlüsse für das Heute ziehen!“
Frauen-Chefin Rech nach dem Besuch: „Gerade in Zeiten wie diesen ist es wichtig und wertvoll, sich vor Ort in Gedenkstätten wie Dachau zu informieren, zuzuhören, die Erinnerung wachzuhalten und daraus Schlüsse für das Heute zu ziehen. Persönlich ist es mir sehr wichtig, dass wir uns als Verein mit zentralen gesellschaftlichen Themen beschäftigen – es gibt Dinge, die wichtiger sind als Sport. Wir sind dankbar, dass wir hier sein dürfen.“
Die Direktorin Frauenfußball weiter: „Solche Orte führen uns vor Augen, welche Verantwortung wir heute tragen und wie entschlossen wir gemeinsam gegen Rassismus, Antisemitismus und jede Form der Ausgrenzung eintreten müssen. Es war beeindruckend, wie interessiert unsere Spielerinnen immer wieder nachgefragt haben. Wir nehmen viele Eindrücke nach Hause.“