Freiburg (Baden-Württemberg) – Schon wieder sorgt ein Freibad für Schlagzeilen. Im Juni machte das Heidebad in Halle (Sachsen-Anhalt) von sich reden. Wer die Anweisungen des Personals auf Deutsch nicht verstand, kam aus Sicherheitsgründen nicht mehr rein. Jetzt beschränkt auch das Lorettobad in Freiburg (Baden-Württemberg) seinen Zugang – explizit für Mütter mit kleinen Kindern. Seit dem 10. Juli dürfen dort freitags bis sonntags nur noch Frauen ab 16 Jahren in den Damenbereich.
Im Lorettobad, das durch Doris Dörries Film „Freibad“ bundesweit bekannt wurde, gibt es das letzte abgetrennte Damenbad Deutschlands. Es zieht seit Jahren Frauen weit über Freiburg hinaus an. Offiziell begründet die Stadt die neue Altersgrenze mit der hohen Auslastung. Der Damenbereich sei klein und biete Platz für maximal 450 Gäste. Das angrenzende Familienbad bleibe von der neuen Einschränkung unberührt, heißt es.
Doch dass es um mehr als nur Überfüllung gehen könnte, deutet ein offener Brief des Vereins „Freunde des Lorettobades“ an. Darin ist von Besucherinnen aus dem Elsass die Rede, die mit Kleinbussen anreisten und sich teilweise nicht an die Baderegeln hielten.
Verein beklagt, dass Frauen vollbekleidet baden
Im Gespräch mit BILD sagt Eugen Reinwald (77), viele Jahre Vorsitzender des Vereins, die Probleme seien nicht neu. Im Elsass gibt es – außer in Straßburg – keine öffentlichen Freibäder wie in Deutschland oder der Schweiz. Deshalb kämen viele Menschen im Sommer über die Grenze. Die Frauen seien teilweise mit ihren dunklen Gewändern ins Wasser gegangen. Kleinkindern seien zudem häufig keine Badewindeln angezogen worden. Dadurch sei die Filteranlage überlastet gewesen. Das Bad habe deshalb fünf Tage schließen müssen.
Doch Oberbürgermeister Martin Horn (SPD) widerspricht. Es gehe ausschließlich darum, den großen Zulauf im kleinen Damenbad zu begrenzen – und nicht darum, Personengruppen auszugrenzen, erklärte er der Nachrichtenagentur dpa. Die Entscheidung, Müttern mit Kindern den Einlass zu verwehren, sei nicht leicht gefallen. „Kinder und Jugendliche aus dem Bad auszuschließen, ist natürlich schwierig.“
Badegäste begrüßen das Kinderverbot
Zwei Stammbesucherinnen des Damenbads, die nicht namentlich genannt werden möchten, begrüßen das Kinderverbot. Die beiden Rentnerinnen kommen seit vielen Jahren regelmäßig ins Bad, sagen sie. Zuletzt sei dort an Wochenenden nicht an Entspannung zu denken gewesen. Ihrem Empfinden nach seien es häufig Besucherinnen aus Frankreich, die sich nicht an die Regeln hielten. Seit der Einlassbeschränkung sei es im Damenbad ruhiger gewesen als zuletzt.
Reinwald glaubt trotzdem nicht, dass die Regelung lange Bestand haben wird. Die neue Altersgrenze bezeichnet er in BILD als „Schnellschuss“, der die Lage zunächst entspannen solle. In seinem offenen Brief habe er ein halbes Dutzend Vorschläge für eine Dauerlösung gemacht. Ihm zufolge werde nach Ende der laufenden Saison über neue Regeln für 2027 beraten.