Creixell (Spanien) – Eigentlich wollten die Gäste des beliebten 4-Sterne-Campingplatzes Gavina an der spanischen Costa Dorada einen entspannten Sommerurlaub direkt am Mittelmeer genießen. Doch nach einem gewaltigen Wolkenbruch in der Nacht hieß es plötzlich: Land unter! Vom Wasser eingeschlossene Urlauber mussten gerettet werden. Messstationen in Katalonien registrierten örtlich bis zu 200 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb weniger Stunden.
„Gegen 23 Uhr fing es an zu regnen“, schildert Camper André Ohrmann (42, Ingenieur aus Kamen) gegenüber BILD. „Dann war es auf einmal, als ob der Himmel alle Schleusen geöffnet hat. Wassermassen kamen herunter. So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt. Immer mehr vom Gelände hinter uns wurde überflutet. Wir standen mit unseren Wohnwagen in der 1. Reihe zum Glück erhöht.“
Ohrmann war mit seiner Frau Klaudia (41, Erzieherin), seinen beiden Kindern Julie (5) und Emily (11) sowie einer befreundeten Familie vor zwei Wochen aus Deutschland zum Campingurlaub aufgebrochen. Nach 22 Stunden Fahrt erreichten sie Spanien. Dort herrschte Hitze pur, bis zu 38 Grad. Ohrmann: „Es gab keinen Regen. Wir waren nur am Strand, am Meer oder in der Badelandschaft vom Campingplatz. Für Ausflüge war es einfach zu heiß.“
Dann schlug das Wetter um. Binnen kurzer Zeit prasselten gewaltige Regenmassen auf das Gelände. Wege verwandelten sich in Bäche, Wasser schoss über die Stellplätze. Mehrere Unterkünfte wurden evakuiert, betroffen waren auch Familien mit Kindern. Verletzt wurde nach ersten Informationen niemand.
Der Campingplatz Gavina gilt als Premium-Anlage am Mittelmeer-Strand von Creixell. Das Resort verfügt über 195 Mobilheime, 122 Stellplätze sowie einen großen Poolbereich mit Lagunenpool und Wasserfällen. Hinzu kommen Kinderbetreuung und Sportprogramm für Erwachsene.
„Erst morgens um 5 Uhr wurde es mit dem Regen weniger“, berichtet Ohrmann. „Da wir höher standen, hatten wir noch Glück. Das gesamte Ausmaß haben wir dann aber erst am Morgen gesehen. Teile des Campingplatzes glichen einem riesigen Pool. Bis zu 60–70 Zentimeter hoch soll das Wasser an einigen Stellen gestanden haben. Die Feuerwehr kommt gerade wieder und bringt weitere Pumpen.“
Die Betreiber des Campingplatzes Gavina waren für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen. Die Feuerwehr vermeldete unterdessen, dass im Ort Roda de Berà bei Tarragona eine Wand infolge der heftigen Regenfälle umstürzte. Drei Menschen wurden verletzt, einer davon schwer. Viele Straßen standen unter Wasser. Auch der Zugverkehr war nach Berichten der Zeitung „La Vanguardia“ betroffen.
Waldbrände sorgen weiter für Gefahr
Während Katalonien mit Überschwemmungen und Starkregen kämpft, bleibt die Lage in anderen Teilen Spaniens wegen großer Waldbrände angespannt. In der Region Valencia hat sich ein Feuer weiter ausgebreitet. Rund 1000 Menschen mussten evakuiert werden. Der Brand, der vermutlich durch einen Blitz ausgelöst wurde, ist bislang nicht unter Kontrolle. Bereits mehr als 400 Hektar Land wurden zerstört. Besonders betroffen ist die Gemeinde Gátova.
Die Löscharbeiten im schwer zugänglichen Naturpark Sierra Calderona werden von Feuerwehren, der militärischen Kriseneinheit UME sowie Löschflugzeugen und Hubschraubern unterstützt.
Experten sehen in anhaltender Dürre und Rekordtemperaturen wesentliche Faktoren für die wachsende Waldbrandgefahr. Laut dem Europäischen Waldbrand-Informationssystem wurden 2026 in Spanien bereits mehr als 297.000 Hektar durch 425 Waldbrände zerstört – ein Gebiet, das größer ist als das Saarland.