Hürtgenwald/Berlin – Aus dem Urlaub ins Krisengebiet. Friedrich Merz (70, CDU) ist zurück aus seiner Drei-Wochen-Auszeit (u.a. Tegernsee, Bayern). Sein erster offizieller Auftritt führte den Bundeskanzler ins Waldbrandgebiet bei Hürtgenwald (NRW) in der Eifel. Dort forderte ein verheerendes Feuer vor rund einer Woche Einsatzkräfte und Einwohner über Tage heraus. Merz dankte den Einsatzkräften – trotz lautstarker Pfiffe aus der Menge.
„Das ist der Klimawandel“, sagte Merz mit Blick auf die zunehmenden Großschadenereignisse. Deutschland müsse damit rechnen, dass solche Katastrophen häufiger werden. „Ich will allen Leugnern des Klimawandels sagen: Schauen Sie sich das genau an, was hier passiert ist“, so Merz weiter. Die Bundesregierung werde deshalb „alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen“. Gleichzeitig gelte: „Wir müssen auch mit dem Klimawandel leben.“ Heißt: Merz bereitet uns darauf vor, dass die Zahl der Waldbrände zunehmen werde.
Merz würdigte den Einsatz von Feuerwehr, Bundeswehr, Technischem Hilfswerk sowie Land- und Forstwirtschaft. Ohne deren Zusammenarbeit wäre der Waldbrand „nicht so glimpflich ausgegangen“, sagte der Kanzler. Er sei gekommen, um allen Helferinnen und Helfern „wirklich sehr herzlich“ zu danken.
2026 noch kein überdurchschnittliches Waldbrand-Jahr
Klar ist: Wie viele Waldbrände es in Deutschland in diesem Jahr bereits gegeben hat, steht offiziell noch nicht fest. Die Bundesstatistik wird erst im kommenden Jahr veröffentlicht. 2025 registrierte die Bundesanstalt für Landwirtschaft 1.175 Waldbrände – mehr als doppelt so viele wie im besonders niederschlagsreichen Jahr 2024. Die verbrannte Waldfläche stieg auf 2.626 Hektar.
Im langjährigen Mittel von 1991 bis 2024 gab es rund 1.139 Waldbrände und 844 Hektar Waldbrandfläche pro Jahr. Heißt derzeit: 2026 ist bisher noch kein überdurchschnittliches Waldbrand-Jahr. Merz erzeugt mit seinen Aussagen vor Ort derweil das Gefühl, als sei dem so.
Pfeifkonzert während Merz-Ansprache
Die Stimmung in Hürtgenwald: erst wütend, dann sogar aggressiv! Während seiner kurzen Ansprache ertönte ein Pfeifkonzert. Merz reagierte demonstrativ gelassen: Er lasse sich „von denen, die rumschreien, nicht beeindrucken“ – „ich spreche mit denen, die helfen“. Auch Landrat Ralf Nolten (CDU) nahm die Kritiker ins Visier.
Er habe Merz bewusst gebeten, nicht während des Brandes, sondern erst danach zu kommen. Ein Feuerwehrmann habe ihm gesagt: „Ich brauche keine Politiker, sondern ich brauche solche Leute, die den Löschschlauch halten.“ An die Pfeifer und Buh-Rufer gerichtet, sagte Nolten, sie sollten besser dem THW, der Feuerwehr oder dem Roten Kreuz beitreten. Dafür gab es langen Applaus – auch vom Kanzler.
Merz kündigt Brand-Auswertung an
Merz kündigte zudem an, dass das Bundeskabinett bei seiner Klausur am Dienstag und Mittwoch in Neuhardenberg (Brandenburg) über Konsequenzen aus dem Waldbrand beraten werde. Deutschland müsse sich „noch besser“ auf Großschadenereignisse vorbereiten. „Wir werden auswerten, was gut gelaufen ist, aber wir werden auch auswerten, was noch fehlt“, sagte Merz. Nachholbedarf gebe es etwa bei den Kommunikationsverbindungen.