Berlin – Das Spahn-Beben in der CDU – jetzt hat es auch die Schwesterpartei erfasst: Aus der CSU kommen klare Worte zum Baby-Glück für Unions-Fraktionschef Jens Spahn (46, CDU). Im ZDF sagte der CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag, Klaus Holetschek (61), am Abend: „Für die CSU ist es eindeutig: Leihmutterschaft ist verboten. Es gehört auch zu den Fragen unserer Grundwerte und des Systems dazu, unserer DNA, wenn Sie so wollen. Und da lassen wir auch nicht locker.“ Holetschek betonte den Klärungsbedarf in der Sache. Spahn müsse sich dem jetzt stellen.
Eine Frage der Grundwerte! Holetschek dürfte damit wohl auch für CSU-Chef und Bayern-Regierungschef Markus Söder (59) sprechen. Die Umgehung deutschen Rechts durch einen Unions-Spitzenpolitiker und ehemaligen Gesundheitsminister: eine fundamentale Angelegenheit für beide Christenparteien. Immerhin führt Spahn die Fraktionsgemeinschaft im Bundestag. CDU-Chef und Kanzler Friedrich Merz (70) hat schon klargemacht, wann und wo sich Spahn erklären soll: am Montag um 11 Uhr in der Präsidiumssitzung.
In der Kanzler-CDU brodelt es: Der Landeschef von Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters (45), fordert den Rücktritt von Spahn, die Frauen-Union distanziert sich und von den Granden meldete sich Schleswig-Holsteins Ex-CDU-Regierungschef Peter Harry Carstensen (79). Der sagte am Freitagabend zu BILD: „Politisch geht es gar nicht: Sich privat Sachen erlauben, gegen die man als Politiker – auch aktiv als Minister – eingetreten ist.“ Carstensen: „Jens Spahns Verhalten schadet der Partei.“
Heftige Kritik an Spahn von den Kirchen
Auch die Kirchen kritisieren, dass sich Spahn und sein Mann den Traum von einem Baby in den USA mit einer Leihmutter erfüllt haben – und das, obwohl dies in Deutschland verboten ist. Spahn selbst hat an dem Gesetz mitgewirkt und es stets verteidigt. Passaus katholischer Bischof Stefan Oster (61) kanzelt Spahn ab: „Ein echter Skandal!“ Leihmutterschaft? Für Bischof Oster: „ein Verstoß gegen die Menschenwürde“. Der württembergische evangelische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl (63) erklärt: „Wer den Eindruck erzeugt, dass politische Überzeugungen und persönliches Handeln auseinanderfallen, verliert Vertrauen.“
BILD fragte bei allen CDU-Landesverbänden nach, ob Spahn noch die Unterstützung der Landesgruppenchefs hat. Ergebnis: meist Schweigen oder „kein Kommentar“. Keiner, der Spahn beispringen würde. Berlins neuer Spitzenkandidat für die Herbst-Wahl, Stefan Evers (46), zu BILD: „Es ist Sache der Bundestagsfraktion zu entscheiden, ob Jens Spahn weiterhin der Richtige ist, um sie zu führen.“
Spahn: „Nichts Wichtigeres als meine Familie“
UND: Mit jeder Wortmeldung gerät auch Merz unter Druck. Hat er, als Spahn ihn vier Tage vor dem Rest des Landes über sein neues Glück informierte, die politische Brisanz nicht erkannt? Glaubte Merz, er könne bis zum CDU-Präsidium am Montag mit halbwegs neutralen Äußerungen durchkommen? In Parteiführung und Fraktion war im Laufe des Freitags der Glaube daran geschwunden. Ein Grund: Merz muss am Sonntag beim ZDF zum großen Sommerinterview. Seit Freitag gibt es Krisenrunden zu der Frage, was er da sagen soll.
Wie Spahn die Sache sieht, sagte er im BILD-Podcast „Ronzheimer“: „Für mich gibt es, und das wird mir jede Stunde immer bewusster, nichts Wichtigeres als meine Familie.“ Am Ende könne nur die Fraktion darüber entscheiden, wie es weitergehe, sagte er. Doch die kommt erst wieder im September zusammen. So lange will (und kann) der Kanzler nicht warten. Nun könnte schon kommenden Montag der Tag der Klarheit sein. 48 Stunden, die über Spahns Zukunft entscheiden.