Wirtschaft

Diesen Trick nutzen Frauen bei Gehaltsverhandlungen viel seltener als Männer

Diesen Trick nutzen Frauen bei Gehaltsverhandlungen viel seltener als Männer

Dass Männer und Frauen unterschiedlich über Gehalt verhandeln, ist bereits vielfach untersucht worden. Eine schwedische Studie zeigt nun, wo Frauen ansetzen könnten, um einen messbaren Lohnunterschied auszugleichen: Wenn die Chance auf einen externen Job besteht. Für mehr Gehalt ist dann nicht unbedingt ein Wechsel nötig, oft reicht die Aussicht auf eine andere Stelle als Verhandlungsargument beim bisherigen Arbeitgeber.

Der Studie zufolge nutzen Männer diese Möglichkeit offenbar besser als Frauen. Haben Beschäftigte eine glaubwürdige externe Option, steigen die Löhne im bestehenden Arbeitsverhältnis bei Männern häufiger. Bei Frauen lässt sich der Effekt nicht beobachten.

Peter Fredriksson, Doğan Gülümser und Lena Hensvik von der Universität Uppsala haben diesen Aspekt von Gehaltsverhandlungen für die Rockwool Foundation Berlin analysiert. Aus ihrer Sicht kann er einen Teil des Gender Pay Gap erklären – der Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen. Denn auch in Schweden verdienen Frauen selbst am gleichen Arbeitsplatz und in derselben Tätigkeit weniger als Männer.

Frauen und Männer mit ähnlich attraktiven Angeboten

Für die Untersuchung wählten die Forscher einen besonderen Ansatz: Statt Gehaltsverhandlungen im Experiment zu untersuchen – solche Studien gibt es bereits zahlreich –, griffen sie auf einen riesigen Datenschatz zurück, der einen Großteil der schwedischen Beschäftigten erfasst. Da sie nicht direkt beobachten können, ob eine Person tatsächlich ein Jobangebot erhalten hat, wählten sie einen indirekten Weg: In den schwedischen Registerdaten lässt sich nachvollziehen, wo Beschäftigte arbeiten, wie sich ihre Löhne entwickeln, wann sie den Arbeitgeber wechseln – und wo Eltern oder Geschwister beschäftigt sind. Stellt der Betrieb eines Elternteils oder Geschwisterkindes neue Mitarbeiter im gleichen Tätigkeitsfeld ein, werteten die Forscher dies als bessere externe Jobchance. Die Annahme: Über enge Familienkontakte erfahren Beschäftigte eher von solchen offenen Stellen.

Anschließend prüften die Forscher, ob diese Möglichkeiten für Männer und Frauen ähnlich attraktiv sind. Dazu verglichen sie die einstellenden Betriebe nach Merkmalen wie Löhnen, Produktivität und Standort – mit dem Ergebnis, dass sich die externen Optionen im Schnitt kaum unterscheiden. Trotzdem entwickelte sich der Lohn anders: Bei Männern stieg er in den Situationen häufiger im bestehenden Job, bei Frauen blieb der Effekt aus.

Gleichzeitig wechselten Frauen etwa genauso häufig den Arbeitgeber wie Männer. Die Autoren schließen daraus: Frauen nehmen externe Möglichkeiten durchaus wahr, nutzen sie aber seltener, um beim bisherigen Chef mehr Geld zu verlangen.

Die Forscher sprechen deshalb von einer Nachverhandlungslücke. Männer setzten eine externe Option häufiger als Druckmittel ein, während Frauen auf eine vergleichbare Option eher mit einem Wechsel reagierten. Nach Schätzung der Studie erklären solche Nachverhandlungen etwa die Hälfte des durchschnittlichen Lohnunterschieds, der im Laufe eines Beschäftigungsverhältnisses zwischen Männern und Frauen entsteht.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Tobias Kaiser verfolgt als Senior Editor Arbeit & Soziales die großen Verschiebungen in Arbeitswelt und Gesellschaft und die Reaktionen der Politik.

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