München/New York – Was! Für! Ein! WM-Endspiel! Es könnte kein Besseres geben als das von Europameister Spanien gegen Weltmeister und Südamerikameister Argentinien am Sonntag in East Rutherford (21 Uhr, MagentaTV, ZDF und im Liveticker bei BILD.de). „Ich freue mich riesig auf dieses Finale“, sagt Lothar Matthäus (65), der mit der deutschen Nationalmannschaft in drei WM-Endspielen stand (1982, 1986, 1990): „Das ist pure Weltklasse auf beiden Seiten. Zwei Mannschaften, die top eingespielt sind und perfekt funktionieren. Beide haben ein klares Konzept – aber einen ganz unterschiedlichen Ansatz.“
Sein treffender Vergleich: „Hier die feinen Spanier, hochgradig diszipliniert und spielerisch stark. Sie sind wie ein klassisches Orchester, bei dem man auch mal die Augen schließen und genießen kann. Es ist ein Genuss, wie die Spanier den Ball laufen lassen. Die Argentinier dagegen sind für mich Hard Rock, sie rocken das Spiel. Auch allesamt Könner am Ball, aber sie kämpfen und rennen zudem als gäbe es kein Morgen. Alle tun das vor allem für einen, für ihren genialen Weltbesten: Lionel Messi. Das war schon 2022 in Katar so, und die Mannschaft ist fast identisch mit der damals beim Titelgewinn.“
Matthäus hat alle bisherigen jeweils sieben WM-Partien der Titel-Rivalen gesehen. Für BILD am SONNTAG macht unser Weltmeister-Kapitän von 1990 anhand der voraussichtlichen Aufstellungen den Mann-gegen-Mann-Vergleich. Seine Prognose: „Was triumphiert an diesem Tag, das Klassik-Konzert oder die Heavy-Metal-Show? Wer hat das nötige Glück? Ich bin sicher, dass es ein ganz enges und sehr spannendes Spiel wird. Am Ende wird Spanien jubeln. Mein Tipp lautet 2:0.“
TORHÜTER
Unai Simón (29) – Emiliano Martínez (33)
„Beide gehören zur Creme de la Creme. Beide sind groß, aber trotzdem auf der Linie sehr stark und gut mit dem Ball am Fuß. Martínez hätte ich zu meinen Spieler-Zeiten lieber hinter mir gehabt, mir gefällt seine Körpersprache. Er ist ein bisschen wie Oliver Kahn früher. Seit er 2021 debütierte, hat Argentinien drei Titel gewonnen, die WM und zwei in Südamerika. Simón ist Europameister. Und er ist einen Tick besser. Bislang hat er nur ein Gegentor bei dieser WM kassiert. Punkt für Spanien, 1:0.“
RECHTE VERTEIDIGER
Pedro Porro (24) – Nahuel Molina (28)
„Porro spielt eine hervorragende WM! Er ist offensiv stärker als Molina, der zuverlässig agiert, aber hauptsächlich dafür verantwortlich ist, hinter Messi die rechte Seite abzusichern. Welche Abschluss-Qualität Porro hat, zeigte er mit seinem entscheidenden Treffer zum 2:0 in Halbfinale gegen Frankreich. Punkt für Spanien, 2:0.“
INNENVERTEIDIGER
Pau Cubarsi (19) – Cristian Romero (28)
„Cubarsi, der auch bei Hansi Flick beim FC Barcelona gesetzt ist, ist eine Ausnahme-Erscheinung. So jung, so unglaublich gut! Romero ist der Prototyp eines Abwehrchefs. Beide bringen alles mit, was Weltklasse-Innenverteidiger brauchen. Der Argentinier hat zudem auch einen guten Offensiv-Kopfball, leitete mit seinem Treffer zum 1:2 die Aufholjagd gegen Ägypten ein. Auch aufgrund seiner größeren Erfahrung Punkt für Argentinien, 2:1.“
Aymeric Laporte (32) – Lisandro Martínez (28)
„Wegen seiner 1,91 Meter Körperlänge hat Laporte naturgemäß Vorteile bei hohen Bällen, wie sie die Argentinier in der Schlussphase gegen England geschlagen haben. Martínez ist mit 1,75 Metern kleiner, aber auch sprungstark. Er bildet mit Romero ein Abwehrbollwerk und hat eine bessere Spieleröffnung. Punkt für Argentinien, 2:2.“
LINKE VERTEIDIGER
Marc Cucurella (27) – Nicolás Tagliafico (33)
„Cucurella ist für mich der beste linke Verteidiger der Welt. In seiner Spielweise erinnert er mich ein wenig an Andreas Brehme. Er ist clever, hat ein gutes Stellungsspiel, gewinnt fast jeden Zweikampf. Cucurella läuft keinen Schritt zu viel – aber immer richtig. Und er ist spielerisch gut. Wenn er sich nach vorn einschaltet, kann er gefährliche Vorlagen geben. Er wird es oft mit Messi zu tun bekommen, und er hat das Zeug dazu, viele von Messis Stärken wegzunehmen. Das kann das entscheidende Duell des Spiels werden. Tagliafico hat mit Yamal die vermeintlich leichtere Aufgabe. Punkt für Spanien, 3:2.“
MITTELFELD
Rodri (30) – Leandro Paredes (32)
„Wenn ich Spanien mit einem Orchester vergleiche, dann ist Rodri als Sechser der Dirigent. Er gibt in diesem spielerisch starken Mittelfeld, in dem alles passt, den Takt vor. Ich bin schon lange ein Fan von ihm und freue mich, dass er nach seiner schweren Knieverletzung vor zwei Jahren wieder auf diesem hohen Niveau spielt. Einer wie er hat den Engländern gegen Argentinien gefehlt. Paredes ist nicht so spielstark, aber dafür ein eisenharter Sechser. Punkt für Spanien, 4:2.“
Fabián Ruiz (30) – Alexis Mac Allister (27)
„Spielerisch ein ähnliches Kräfteverhältnis wie bei Rodri und Paredes. Mac Allister, den Jürgen Klopp einst zum FC Liverpool holte, ist extrem robust und sehr zweikampfstark. Allerdings hat er auch einen harten Schuss aus der zweiten Reihe. Das macht ihn gefährlicher als Paredes. Ruiz, der sich auf seiner Position bisher mit Pedri abwechselte, spielt bei Spanien die gleiche Rolle wie bei Champions-League-Sieger Paris. Etwas knapper, aber ebenso Punkt für Spanien, 5:2.“
Dani Olmo (28) – Enzo Fernández (25)
„Technisch, taktisch, spielerisch – Olmo hat alle Qualitäten, die es auf der offensiven Mittelfeldposition braucht. Aber es fehlt ihm der letzte Touch, die Dynamik. Statt sich im 1-gegen-1 durchzusetzen, passt er lieber. Fernández, 2022 bester junger Spieler der WM, bringt auch alle diese Fertigkeiten mit. Aber er hat diese Dynamik und auch mal den wuchtigen Abschluss aus der Distanz. Punkt für Argentinien, 5:3.“
ANGRIFF
Lamine Yamal (19) – Lionel Messi (39)
„Was für eine Geschichte, dass Messi vor zwanzig Jahren in Barcelona für ein Werbe-Fotoshooting das Baby Yamal gebadet hat – und jetzt spielt das Baby im WM-Finale gegen sein Idol! Beide haben die gleiche Ausbildung in Barças Talentschule La Masia. Wie Messi ist Yamal technisch ähnlich brillant und spielstark. Aber er ist bei dieser WM noch nicht richtig in Schwung gekommen. Und obwohl Cucurella Messi nerven wird – ganz ausschalten kann er ihn nicht. Sowieso schwebt Messi über allem. Auch, weil er zwanzig Jahre mehr Erfahrung hat als Yamal. Ganz klarer Punkt für Argentinien, 5:4.“
Mikel Oyarzabal (30) – Julián Alvarez (26)
„Alvarez macht die Meter, die Messi nicht macht. Gerade auch deshalb ist er so wichtig für das Spiel er Argentinier. Allerdings hat er bei der WM erst ein Tor geschossen, was unter seinen Ansprüchen ist. Allerdings ein Traumtor. Oyarzabal spielt unscheinbarer, aber das macht ihn um so gefährlicher. Er macht die wichtigen Tore, fünf hat er schon. Oyarzabal arbeitet auch gut gegen den Ball und übernimmt Verantwortung bei Elfmetern. Punkt für Spanien, 6:4.“
Alex Baena (25) – Rodrigo de Paul (32)
„Baena, der Linksaußen von Atlético Madrid, ist Ersatz für den noch immer nicht top-fitten Niko Williams. Der wurde bisher immer nur eingewechselt. De Pauls Hauptaufgabe wird es sein, in Zusammenarbeit mit Tagliafico Argentiniens rechte Seite defensiv dichtzumachen. Dafür ist er genau der richtige Mann. Punkt für Argentinien, 6:5.“
DIE JOKER
Mikel Merino (30) – Lautaro Martínez (28)
„Einwechselspieler können besonders in einem umkämpfen, kräftezehrenden Finale entscheidend sein, erst recht, wenn es in die Verlängerung gehen sollte. Beide Teams haben starke Bänke – und jeweils einen Joker, der bei dieser WM schon entscheidend gestochen hat. Merino mit zwei Treffern für Spanien im Achtelfinale gegen Portugal und im Viertelfinale gegen Belgien. Martínez im Viertelfinale gegen die Schweiz und im Halbfinale gegen England. Unentschieden! 7:6 für Spanien!“