Berlin/Washington – Der plötzliche Tod des US-Senators Lindsey Graham (†71) sorgt weltweit für Bestürzung – und für eine Welle von Spekulationen. Obwohl nach Angaben der Behörden ein Riss in der Hauptschlagader als Folge einer Gefäßverkalkung als vorläufige Todesursache festgestellt wurde, verbreiteten sich auf verschiedenen Plattformen Vermutungen über mögliche Hintergründe seines Todes.
Auslöser der Spekulationen ist unter anderem der Zeitpunkt seines Todes. Graham hatte sich bis wenige Tage zuvor öffentlich gezeigt, war politisch aktiv und hatte zuletzt die Ukraine besucht, wo er sich für weitere Sanktionen gegen Russland eingesetzt hatte. Sein unerwarteter Tod führte daher im Internet zu Behauptungen, es könne sich um mehr als einen natürlichen Todesfall handeln.
Fakt ist: Für diese Vermutungen gibt es bislang jedoch keine belastbaren Belege. Weder die Ermittlungsbehörden noch das medizinische Gutachten haben Hinweise auf Fremdeinwirkung veröffentlicht. NBC News hatte berichtet, in der Nacht zum Sonntag habe es einen Noteinsatz von Rettungssanitätern in Grahams Washingtoner Wohnung wegen eines Herzstillstands gegeben. Mehrere Medien beriefen sich auf Funkmitschnitte des beteiligten Rettungsdienstes.
Verschwörungstheorien kursieren im Netz
Auf Plattformen wie X verbreiten Nutzer die unterschiedlichsten Theorien. Einige verweisen auf Grahams jüngste Reise in die Ukraine, andere erinnern an frühere Drohungen aus dem Iran gegen den republikanischen Hardliner. Wieder andere spekulieren über geheimdienstliche Verwicklungen – Belege für diese Behauptungen gibt es bislang jedoch nicht.
Experten weisen darauf hin, dass der Tod prominenter Politiker häufig Anlass für Verschwörungserzählungen ist – insbesondere dann, wenn die Betroffenen in internationale Konflikte oder innenpolitisch stark polarisierte Debatten eingebunden waren. Grahams enge Rolle als außenpolitischer Berater von US-Präsident Donald Trump sowie sein entschiedenes Eintreten für Sanktionen gegen Russland und militärische Unterstützung der Ukraine machen ihn in den Augen vieler Nutzer zu einer Projektionsfigur für entsprechende Spekulationen.
Wie u.a. die „Welt“ (gehört wie BILD zu Axel Springer) berichtet, wäre Russland nicht ohne Motiv. Denn: Graham zählte zu den entschiedensten Kritikern Russlands. Über Monate setzte er sich für ein Sanktionspaket ein, das Russlands wichtigste Einnahmequelle empfindlich treffen sollte. Noch am Freitag sprach er von einem Durchbruch – doch inzwischen ist ungewiss, wie es mit dem Vorhaben weitergeht. Klar ist: Seine wiederholten Angriffe auf Kreml-Despot Wladimir Putin haben ihn zu einem der schärfsten Russland-Kritiker in Washington gemacht.
Russen-Spott
Russische Staatsmedien wie „RT“ verspotten derweil schamlos den verstorbenen Senator nach seinem plötzlichen Tod. Klar ist: Lindsey Graham war bereits seit Jahren im Visier der Putin-Propaganda, die immer wieder offen seine Ermordung forderte. Jetzt wird offen dessen plötzliches Ableben belustigt gefeiert.