Kultur

Schüsse bei Rave in der Schweiz – 22-jährige Frau stirbt, Deutsche unter Verletzten

Schüsse bei Rave in der Schweiz – 22-jährige Frau stirbt, Deutsche unter Verletzten

Nach den folgenschweren Schüssen bei einem Technofestival in der Schweiz läuft die Fahndung auf Hochtouren. Auch viele Stunden nach der Tat in Aarau mit einem Todesopfer und mehreren Verletzten wollten sich die Ermittler weiterhin nicht festlegen, ob sie einen Terrorakt, einen Amoklauf oder eine Abrechnung im kriminellen Milieu untersuchen – und ob es einen oder mehrere Täter gibt.

Spuren von zwei unterschiedlichen Waffentypen sind laut Polizei gefunden worden. „Am Tatort stellten die Einsatzkräfte Projektile und Munitionsspuren von zwei verschiedenen Kalibern sicher“, sagte Einsatzleiter Matthias Schildknecht am Abend auf einer Pressekonferenz.

Zum einen handele es sich um Neun-Millimeter-Munition, wie sie typischerweise in Pistolen oder Maschinenpistolen verwendet werde. Zudem seien über ein Dutzend Hülsen gesichert worden, wie sei bei Langwaffen – beispielsweise Sturmgewehren – eingesetzt würden. Schildknecht betonte: „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir keine abschließenden und weiteren Angaben zur Täterschaft machen.“

Die Schüsse waren in der Nacht zum Sonntag gefallen. Eine 22-jährige Italienerin wurde getötet. Vier Schweizer Männer und eine deutsche Frau erlitten leichte bis schwere Verletzungen, wie die Aargauer Kantonspolizei nach Angaben der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am späten Abend mitteilte. Die Verletzten im Alter von 24 bis 31 Jahren wurden ins Krankenhaus gebracht.

Der Großeinsatz läuft noch immer. „Bleiben Sie dem Gebiet fern“, schrieb die Polizei. Die Gegend ist großräumig abgesperrt.

Die Kantonspolizei Aargau bestätigte auf X mit, dass eine 22-jährige Frau tödlich verletzt worden und vor Ort gestorben sei. „Ich möchte mein tiefstes Mitgefühl für den Tod von Maria Spinelli, der jungen Italienerin, die zum Opfer der tragischen Schießerei in Aarau, Schweiz, fiel, ausdrücken“, schrieb die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni auf X.

Erste Notrufe kurz nach dem Ende des Raves

Kurz nach dem Ende des Raves, zu dem der Veranstalter rund 3500 Besucher erwartet hatte, gingen bei der Polizei die ersten Notrufe ein. Augenzeugen schilderten, dass viele Schüsse gefallen seien. Da der Ernst der Lage laut Polizei sofort deutlich wurde, rückten die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot aus. Zum Zeitpunkt der Schüsse hielten sich demnach noch weit mehr als 100 Personen auf dem Festivalgelände auf.

Der Vorfall spielte sich bei einem seit Jahren etablierten Rave-Event auf dem Gelände des Aargauischen Rennvereins ab – etwa 40 Kilometer westlich von Zürich. Das italienische Todesopfer wohnte in der Region.

Noch gäbe es keine Erkenntnisse zur Täterschaft oder zu einem Motiv. Es müsse davon ausgegangen werden, dass eine „größere Zahl“ Schüsse gefallen sei, sagte der Sprecher der Kantonspolizei.

Eine Sprecherin der Polizei sagte dem Schweizer „Blick“, dass der Vorfall auf der örtlichen „Pferderennbahn lokalisiert“ sei. „Es ist noch nicht klar, was genau vorgefallen ist“, sagte die Sprecherin. Sie bestätigte, dass es „mehrere Schussabgaben bei einer größeren Personengruppe“ gegeben habe.

Auch die Polizei auf deutscher Seite ist an den allgemeinen Fahndungsmaßnahmen beteiligt. Dies sei reine Routine in der Polizeiarbeit, betonte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg.

Laut Schweizer Medienberichten fielen die Schüsse zwischen 2 und 3 Uhr. Weitere Hintergründe sind bislang unklar – also auch, wie viele Täter es gibt und ob diese sich auf der Flucht befinden.

„Es gibt keine konkreten Hinweise auf die Täterschaft“, sagte der Mediensprecher der Kantonspolizei gegenüber „Blick“. „Wir schätzen es im Moment als eher unwahrscheinlich ein, dass sich die Täterschaft noch im Raum Aarau bewegt.“ Man könne ausschließen, dass die Täterschaft wieder irgendwo aktiv werden und zu einer neuen Gefahr werden könnte, hieß es vom Sprecher weiter. Eine „akute Gefahrensituation“ bestehe demnach nicht, die Bevölkerung solle trotzdem wachsam sein.

Gegenüber der Schweizer Zeitung „Blick“ äußerten sich mehrere Zeugen. Zunächst hätten die Besucher die Schüsse für ein Feuerwerk gehalten, so eine Frau. Dann habe jemand „Alle runter!“ gerufen. Die Gruppe habe sich daraufhin unter dem DJ-Pult versteckt. Eine Frau sei von einer Kugel getroffen worden. Alle Besucher des Raves seien von der Polizei in eine Turnhalle gebracht worden. „Es war schrecklich“, so die Zeugin gegenüber der Zeitung. Das Ganze habe sich unmittelbar nach dem Ende der Veranstaltung abgespielt.

Auch der DJ der Veranstaltung äußerte sich tief betroffen. Was auf dem Rave passiert sei, sei absolut herzzerreißend, schrieb DJ Tekibo in einer Instagram-Story. „Techno und Raves sollten ein Ort der Freiheit und Sicherheit sein.“ Er versuche immer noch, das Ganze zu verarbeiten. Er habe einen wichtigen Menschen verloren und finde einfach nicht die richtigen Worte. Er werde sich für eine bestimmte Zeit zurückziehen, kündigte er an.

Auf der Pferderennbahn fand der „Aarau Rave VOL. 7“ statt. Aufgrund des Großeinsatzes bleibt das Schwimmbad Aarau in Aarau bis auf Weiteres geschlossen.

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

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