Perleberg (Brandenburg) – Auf einem Acker in Brandenburg haben Archäologen eine sensationelle Entdeckung gemacht. Nur knapp unter der Oberfläche stießen sie auf die Reste eines Gebäudes aus dem 9. Jahrhundert vor Christus – vermutlich ein Tempel. Vor Ankunft der Römer waren in Deutschland bislang keine Tempelbauten bekannt. Der Fund ist daher einmalig!
„Schon der Grundriss der Anlage ist etwas ganz Besonderes“, so Professor Franz Schopper (62), der Landesarchäologe von Brandenburg. „Für die Zeit sind rechteckige Grundrisse üblich, doch der Bau war fast quadratisch und ziemlich groß mit 10,6 mal 11,4 Metern. Dazu stand er auf der höchsten Stelle der Umgebung, weithin sichtbar“, so der Professor zu BILD. Das Gebäude stammt nach ersten Erkenntnissen aus der Zeit um 820 bis 720 v. Chr.
Doch da hören die Besonderheiten nicht auf: Die Ausgrabungen brachten zahlreiche Keramikreste und verbrannte Tierknochen ans Tageslicht. Für die Archäologen ein Hinweis, dass in und um das Gebäude Brandopfer dargebracht wurden. Auch die Größe der Gefäße deutet darauf hin: Hier kamen zahlreiche Menschen etwa für Feste zusammen. „Ob es wirklich ein Tempel war, muss sich erst herausstellen. Aber die Fundlage erlaubt eine vorsichtige Interpretation in diese Richtung“, so der Landesarchäologe zu BILD.
Uralte Siedlung mit internationalen Verbindungen
Der Fund steht nicht alleine. Nur 900 Meter entfernt erhebt sich ein Grabhügel aus dem flachen Sandboden, etwa aus der gleichen Zeit. In dem sogenannten Seddiner Königsgrab wurden zahlreiche wertvolle Funde aus der späten Bronzezeit entdeckt.
Auch auf der gegenüberliegenden Seite des Grabhügels, etwa 200 Meter entfernt, fanden Archäologen bereits früher Reste einer Siedlung. Diese geht ungefähr auf das Jahr 1000 v. Chr. zurück. Zentrales Gebäude war die sogenannte Königshalle, ein repräsentativer Sitz eines lokalen Herrschers. Professor Schopper: „In Seddin passierte etwas: Wir haben es hier mit einer stark hierarchischen Gesellschaft zu tun, die monumentale Strukturen geschaffen hat. Dazu kommen internationale Handelsbeziehungen.“