Berlin – Geldwäsche, Steuerkarussells und Ermittler ohne richtige IT-Ausstattung! Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft mahnt: „100 Milliarden Euro gehen dem Staat jedes Jahr durch Steuerbetrug durch die Finger!“
Eine Studie der Deutschen Steuer-Gewerkschaft (DSTG) belegt: Finanzfahnder sehen sich von der Politik im Stich gelassen, fordern bessere Ausstattung, mehr Personal und weniger Bürokratie im Kampf gegen Steuerbetrüger.
Die Befragung von mehr als 9000 Beschäftigten in der deutschen Steuerverwaltung ergab: 98 Prozent der Steuerprüfer haben keinen vollen Zugriff auf wichtige Daten. 91 Prozent fühlen sich digital schlecht ausgestattet (KI und passende Software fehlen).
Interviews mit 1022 Bürgern zeigten zudem: 75 Prozent der Steuerzahler halten das aktuelle Vorgehen der Steuerfahnder für ineffektiv. DSTG-Chef Florian Köbler (43) zu BILD: „Die Ehrlichen haben es satt, die Dummen zu sein. Wer jeden Monat Lohnsteuer und Sozialabgaben schultert, fühlt sich zu Recht veralbert, wenn der Staat Steuertricks in Milliardenhöhe einfach laufen lässt.“
Was sind die größten Schlupflöcher?
15 bis 20 Milliarden Euro gehen allein durch Bargeld-Betrug in Gastronomie, Spätis oder Nagelstudios verloren. Ein zweistelliger Milliardenbetrag fehlt durch Geldverschleierung mit Kryptowährungen – im Vordergrund: kriminelle Banden, die Geld waschen. Der größte Brocken aber sind die Umsatzsteuerkarussells: Seit über 20 Jahren entgehen dem Staat dabei rund 15 bis 20 Milliarden Euro jährlich – ein Ausmaß, das den Cum-Ex-Skandal in den Schatten stellt, sagt Gewerkschaftschef Köbler: „Der größte ungelöste Betrug in Deutschland“.
Datenschutz bremst die Ermittler aus
Rechtliche Hürden, fehlende Digitalisierung und Personalmangel sowie marode technische Infrastruktur bremsen die Behörden. Es fehlen Systeme zur Datenbündelung und -auswertung, zudem stellen strenge Datenschutzgesetze die Steuerfahnder vor enorme Herausforderungen – während Kriminelle mit Künstlicher Intelligenz die Nase vorn haben.
Köbler zu BILD: „Finanzkriminelle arbeiten mit KI, der Staat mit Aktenordnern. So gewinnt man keinen Kampf gegen Steuerbetrug.“