London – 21 Hammerschläge auf den Kopf – so brutal wurde die britische Politikerin Ann Widdecombe (†78) ermordet. Jetzt wurde ein Verdächtiger gefasst. Angeklagt ist der 28-jährige Joshua K. Die Kameraüberwachung half, dem mutmaßlichen Täter auf die Spur zu kommen. Am Dienstag erschien er in London vor Gericht.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft aß Widdecombe gerade zu Mittag, als sie vor zwei Wochen Opfer der Gewalttat wurde. Joshua K. betrat demnach das Gebäude durch die Haustür, schlug mit einem Hammer auf sie ein und nahm ihre Geldbörse an sich. Die schwerverletzte Ex-Ministerin soll er dann von ihrem Stuhl gestoßen haben. Der ganze Angriff dauerte Medienberichten zufolge nur zwei Minuten. Die Leiche fand ihr Gärtner am nächsten Tag.
Widdecombe lebte in dem abgelegenen Dorf Haytor im Südwesten Englands. Die Polizei hatte den Verdächtigen in South Yorkshire festgenommen – mehr als 400 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt. Der 28-Jährige wurde unter dem Verdacht des Mordes und terroristischer Handlungen angeklagt. Eine Kamera hatte aufgezeichnet, wie der Mann mit seinem Auto zu Widdecombe fuhr.
Sie erschien nicht zum TV-Interview
An ihrem Todestag sollte die Politikerin zu einem geplanten Fernsehinterview erscheinen. Doch sie kam nicht. Ihr Tod löste in der britischen Politik Erschütterung aus. Partei-Freund Nigel Farage (62) sagte: „Sie war ein politischer Koloss mit einer seltenen Ehrlichkeit.“ Die frühere Gefängnisministerin war über Jahrzehnte eine prominente Stimme, bekannt für ihr energisches Auftreten und ihre konservativen Ansichten. Von 1987 bis 2010 saß Widdecombe für die Tories im britischen Unterhaus. Später kämpfte sie als EU-Abgeordnete der Brexit-Partei für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Anschließend war sie Einwanderungs- und Justizsprecherin der Nachfolgepartei Reform UK.
Auftritt in Pantomimen-Shows
Auch abseits der Politik suchte Widdecombe die große Bühne: Ende 2011 trat sie erstmals in einer Pantomimen-Show auf. Es folgten weitere Auftritte – unter anderem in der Oper „La Fille du Régiment“. Für Schlagzeilen sorgte Widdecombe später auch im Reality-TV: 2018 erreichte die Politikerin das Finale von „Celebrity Big Brother“, musste sich dort aber einer Drag-Künstlerin deutlich geschlagen geben.