Seattle – Diese Fifa-Entscheidung entwickelt sich zu einem handfesten Polit-Skandal. Der Fußball-Weltverband hat die Rot-Sperre gegen den besten Torjäger der USA bei der WM, Folarin Balogun (25, drei Tore), aufgehoben. Wie sich jetzt herausstellt, soll US-Präsident Donald Trump (80) im Vorfeld persönlich Druck ausgeübt haben.
„The Athletic“ und die Nachrichtenagentur AP berichten, dass Trump persönlich bei der FIFA angerufen habe, um Verbandsboss Gianni Infantino (56) zu bitten, die Rote Karte gegen Balogun zu überprüfen. Demzufolge bestätigten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen diesen Ablauf. Weder die Fifa noch das Weiße Haus haben die Information bislang kommentiert.
Trump feierte die Entscheidung in den sozialen Medien kurz nach der Bekanntgabe: „Vielen Dank an die Fifa, dass sie das Richtige getan und eine große Ungerechtigkeit korrigiert hat!“
Balogun hatte beim 2:0 gegen Bosnien-Herzegowina seinen Gegenspieler Tarik Muharemovic (23) in einem Zweikampf zwar offensichtlich unabsichtlich, aber mit brutaler Härte am Knöchel getroffen. Schiedsrichter Raphael Claus (46) aus Brasilien schaute sich die Szene noch einmal an und entschied auf Rot. „Für mich ist das niemals eine Rote Karte. Das war niemals Absicht“, sagte US-Trainer Mauricio Pochettino (54).
Achtelfinal-Gegner Belgien prüft alle Optionen
Dass der Platzverweis später zurückgenommen wurde, ist dennoch fragwürdig. Achtelfinal-Gegner Belgien reagierte mit „Erstaunen“ auf die plötzlich aufgehobene Sperre und schließt Konsequenzen nicht aus. „Um die legitimen Rechte aller teilnehmenden Mannschaften zu wahren und die Grundprinzipien des Fair Plays“ zu schützen, prüfe der belgische Verband alle Optionen, hieß es in einer Stellungnahme am Sonntag.
Balogun ist trotz seiner Roten Karte nun gegen Belgien am Dienstag (2 Uhr/ARD und MagentaTV) spielberechtigt. Zunächst hatte „The Athletic“ über den unerwarteten Vorgang berichtet.
Fifa setzt Sperre zur Bewährung aus
Die Fifa begründete die Entscheidung mit Artikel 27 ihres Disziplinarreglements. Danach kann eine Strafe ganz oder teilweise ausgesetzt werden. Baloguns Sperre werde für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Sollte sich der Angreifer in dieser Zeit „einen weiteren Verstoß gleicher Art und Schwere“ erlauben, werde die Sanktion vollstreckt.
Trump war bislang bei keinem WM-Spiel vor Ort, wird aber spätestens zum Endspiel am 19. Juli in East Rutherford bei New York im Stadion erwartet.