St. Petersburg – Wegen einer Spende von gerade einmal 900 Rubel (9 Euro) bekommt ein Deutscher Ärger mit Putins Justiz! Der 41-Jährige wurde am Montag in St. Petersburg, der Heimatstadt von Kreml-Herrscher Wladimir Putin, festgenommen. Der Vorwurf der russischen Ermittler: Er soll an die Organisation des verstorbenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny (†47) gespendet haben.
Die Zahlungen liegen demnach bereits fünf Jahre zurück. Nach Darstellung der Ermittler soll der Deutsche im August 2021 zunächst 300 Rubel (ca. 3 Euro) an die von Alexej Nawalny gegründete Stiftung für Korruptionsbekämpfung FBK überwiesen haben. Anschließend soll er einen Dauerauftrag eingerichtet haben. Insgesamt seien so drei Zahlungen über jeweils 300 Rubel zusammengekommen. Das Problem: Die FBK war kurz zuvor, am 9. Juni 2021, von einem Moskauer Gericht als „extremistisch“ eingestuft und aufgelöst worden. Die russischen Ermittler werfen ihm deshalb vor, mit seinen Zahlungen eine als extremistisch eingestufte Organisation finanziert zu haben.
Laptop und Handy beschlagnahmt
Nach Angaben des russischen Mediums Fontanka wurde der Deutsche in seiner Wohnung festgenommen. Ermittler durchsuchten die Räume und sollen dabei Laptop und Handy beschlagnahmt haben. Außerdem forderten sie Hausarrest. Doch das Gericht lehnte den Antrag auf Hausarrest ab. Stattdessen verhängte es eine nächtliche Ausgangssperre. Bis zum 21. September darf der Deutsche seine Wohnung zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens nicht verlassen.
„Russische Realität jeden Tag“
Inzwischen hat auch das Auswärtige Amt die Festnahme indirekt bestätigt. Der Fall sei bekannt, Deutschland bemühe sich um konsularische Unterstützung für den Mann, erklärte ein Sprecher am Mittwoch. Zugleich übte das Ministerium deutliche Kritik am russischen Vorgehen. „Spätestens seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wird in aller Erbarmungslosigkeit gegen jede Art von Widerstand vorgegangen“, sagte der Sprecher. Zum konkreten Fall erklärte er: „Hier geht es ja darum, dass der Nawalny-Organisation Geld gespendet worden sein soll. Das fügt sich in dieses Bild ein.“ Dann wurde der Sprecher grundsätzlich: „Das ist kein Trend, sondern das ist die russische Realität jeden Tag.“