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Julia Ruhs – Meine Meinung: Vapen: Die neue Teenie-Dummheit

Julia Ruhs – Meine Meinung: Vapen: Die neue Teenie-Dummheit
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Die Jugend qualmt wieder – nur heißt die Kippe jetzt Vape. Verkauft wird das Dampfen als Lifestyle, als aufgeklärte Variante des Rauchens. Tatsächlich ist es vor allem eines: ziemlich uncool.

Eins muss man der Teenie-Generation lassen: Sie ist sehr diszipliniert. Sie trinkt kaum Alkohol, macht Frühsport, zählt Schritte, überwacht ihren Schlaf via Smartwatch und schmiert sich hautpflegefanatisch allerlei Seren ins Gesicht. Sie optimiert sich von innen wie außen. „Longevity“ heißt das Zauberwort. Möglichst alt werden, möglichst fit bleiben, möglichst faltenfrei ins Grab.

Doch ausgerechnet diese Generation entdeckt gerade das Rauchen wieder. Die Zigarette von heute heißt Vape und sieht aus wie ein bunter USB-Stick. Wird man angepafft, bekommt man keine stinkende Rauchschwade ab, sondern eine Dampfwolke aus „Blueberry Ice“, Kiwi-Passionsfrucht, Käsekuchen, Cola oder Wassermelone. Statt Tabak inhaliert man jetzt also Süßkram.

Die klassische Zigarette war wenigstens ehrlich

Die alte Kippe hatte einen Vorteil: Sie war eklig. Beim ersten Zug musste man husten, der Hals brannte, der Körper sagte eindeutig: Das hier ist keine gute Idee. Raucher erklärten einem dann gern mitleidig, man müsse erst vier oder fünf Zigaretten rauchen, bis es schmeckt. Genug Zeit also, dem qualmenden Schicksal noch einmal von der Schippe zu springen.

Ich weiß, viele schafften auch das nicht. Früher startete die klassische Raucherkarriere nun mal mit Alkohol und Gruppenzwang. Auf Partys wanderte die Zigarette von Hand zu Hand, niemand wollte Spielverderber sein. So rauchten sich Tausende in die Abhängigkeit hinein.

Aber die junge Generation feiert ja kaum noch. Ihretwegen haben Clubs und Alkoholproduzenten längst Existenzängste. Da musste die Industrie eben etwas erfinden, das auch ohne Party funktioniert: Vapes. Sie schmecken sofort: künstlich-süß, harmlos. Eigentlich ziemlich hinterlistig.

Vor allem die Mädchen vapen

Besonders beliebt ist das Rauchen inzwischen bei sehr jungen Jugendlichen, vor allem bei Mädchen. Laut der Drogenaffinitätsstudie 2025 des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit konsumieren knapp acht Prozent der 12- bis 17-jährigen Mädchen Mehrweg-E-Zigaretten. Obwohl sie das noch gar nicht dürften.

Produziert werden die Geräte übrigens millionenfach in China. Ironischerweise sind die aromatisierten Vapes dort verboten. Der Suchtfaktor sei zu hoch, so die offizielle Begründung. Also exportiert man sie eben zu uns. Tja, die Chinesen sind eben clever.

Vapen als neue Einstiegsdroge

Oft liest man, Vapes seien weniger schädlich als klassische Zigaretten. Das mag sogar stimmen. Manche Suchtgeplagte nutzen sie tatsächlich, um vom Tabak loszukommen. Das Problem ist nur: Was als Ausstiegsdroge funktioniert, eignet sich leider auch als Einstieg. Studien zeigen, dass Jugendliche mit Vape-Erfahrung später dreimal häufiger zur klassischen Zigarette greifen als Gleichaltrige.

Während die Jugend also wieder rauchaffiner wird, geht der politische Trend international stark in Richtung Rauchausrottung. Schweden wird gerade dafür bewundert, so gut wie rauchfrei zu sein. Nur noch knapp fünf Prozent der Bevölkerung rauchen dort täglich.

Auch in Deutschland greift man stärker durch. In Baden-Württemberg tritt diesen Juni ein verschärftes Nichtraucherschutzgesetz in Kraft: Rauchverbot auch an Bus- und Bahnhaltestellen. Wer trotzdem raucht oder vapt, dem droht eine saftige Strafe. Die Argumentation dahinter ist allseits bekannt: Rauchen schadet den Mitmenschen, kostet Milliarden, belastet massiv das Gesundheitssystem und verursacht hunderttausende Todesfälle.

Die stillen Helden der Sozialkassen

Das klingt alles logisch. Es gibt allerdings noch eine andere Rechnung. Sie ist politisch weniger opportun. Die Studie stammt von Wirtschaftswissenschaftlern und blickt recht pragmatisch auf die Welt. Raucher sind gar nicht sozialschädlich, besagt sie. Im Gegenteil: Sie sind die stillen Helden der Sozialkassen. So wie Nichtraucher zahlen sie zwar jahrzehntelang in die Rentenkasse ein, sterben aber früher. Im Schnitt leben sie fünf bis zehn Jahre kürzer.

Es ist makaber, ich weiß, aber passionierten Rauchern können wir in unserer demografisch schwierigen Lage dankbar sein. Ein Mensch, der jahrzehntelang raucht, Warnhinweise und Schockbildchen ignoriert und sich deshalb zeitig aus der Rentenstatistik verabschiedet – menschlich ist das tragisch, rentenpolitisch aber äußerst effizient.

Warum also noch Wut auf Raucher haben? Oder auf die Tabaklobby. Gesellschaftlich teuer wird es eher, wenn jeder Babyboomer hundert Jahre alt werden will.

Sucht ist uncool

Dass ausgerechnet die Teenie-Generation wieder süchtig wird, finde ich tragischer. Eigentlich macht sie ja viel richtig: Achtsamkeit, Selbstbestimmung, viel Schlaf, mentale Gesundheit. Etwas spaßbefreit, aber was soll man da meckern. Vielleicht würde es ihr helfen, nicht jedem Trend nachzueifern. Denn süchtig zu sein ist uncool. Es ist und bleibt der größte Freiheitskiller. Nichts daran ist selbstbestimmt.

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