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Katja Hoyer weiß, wie Deutschlands Kulturstadt Nr. 1 zum ersten Nazi-Ort wurde

Katja Hoyer weiß, wie Deutschlands Kulturstadt Nr. 1 zum ersten Nazi-Ort wurde

Hier erscheint unsere monatliche Empfehlungsliste. Experten einer unabhängigen Jury küren die zehn „Sachbücher des Monats“ aus Geistes-, Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Im Juni lohnen sich – auch für kritische Lektüren:

1. Katja Hoyer: Weimar. Glanz und Grauen der deutschen Geschichte. Hoffmann und Campe, 592 Seiten, 28 Euro*

Die Nazis in der Klassikerstadt: Am Beispiel der Stadt Weimar macht dieses gelungene Geschichtsbuch anschaulich, wie sich die Verhältnisse zwischen 1919 und 1939 ganz konkret entwickelt haben. Die Nationalsozialisten fühlten sich hier schon 1925 heimisch, hielten im Weimarer Nationaltheater ihren ersten Reichsparteitag ab. Hitler checkte damals als „Schriftsteller“ im Hotel ein. Lesen Sie hier die ausführliche Buchbesprechung.

2. Jan-Werner Müller: Straße, Platz, Palast. Zur Architektur demokratischer Räume. Suhrkamp, 263 Seiten, 24 Euro*

Müller ist mit klugen Schriften zur politischen Ideengeschichte bekannt geworden. Im aktuellen Buch macht er einige seiner Überlegungen in städtebaulicher Hinsicht anschlussfähig.

3. Arnd Henze: Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht. Gütersloher Verlagshaus, 224 Seiten, 20 Euro*

Der Fernsehjournalist wirft einen streitbaren, betont kritischen Blick auf die religiöse Rechte in den USA und ihre politische Agenda.

4. Sarah M. S. Pearsall: Freiheit. Eine neue Geschichte der amerikanischen Revolution. Rowohlt Berlin, 494 Seiten, 34 Euro*

Zum 250. Geburtstag der USA liefert die Professorin von der Johns-Hopkins-Universität eine überzeugende Erzählung der epochalen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776.

5. Ethan Taubes: Der verlorene Vater. Erinnerungen an Jacob Taubes. Mit einem Vorwort von Aleida Assmann. Matthes & Seitz, 330 Seiten, 28 Euro*

5. Ethan Taubes: Der verlorene Vater. Erinnerungen an Jacob Taubes. Mit einem Vorwort von Aleida Assmann. Matthes & Seitz, 330 Seiten, 28 Euro*5. Ethan Taubes: Der verlorene Vater. Erinnerungen an Jacob Taubes. Mit einem Vorwort von Aleida Assmann. Matthes & Seitz, 330 Seiten, 28 Euro*

Der Judaist Jacob Taubes, der in der 2022 erschienenen Biografie von Jerry Z. Muller als gemütskranker Scharlatan ohne Werk porträtiert wurde, wird im Buch seines Sohnes rehabilitiert.

6. Catherine Nixey: Ketzer. Jesus Christus und die anderen Söhne Gottes. DVA, 432 Seiten, 28 Euro*

Die britische Historikerin und Journalistin hat ein schillerndes Buch über die Sekten des Frühchristentums geschrieben. Vor der nächsten Reise nach Ravenna unbedingt einpacken!

7. Mikhail Zygar: Die Zukunft, die nie kam. Wie der Zerfall der Sowjetunion bis heute nachwirkt. Aufbau, 829 Seiten, 36 Euro*

Wer hat den Kalten Krieg gewonnen? Diese Frage ist längst nicht mehr so eindeutig zu beantworten wie noch vor Jahren, erläutert der Journalist, der bis 2015 Direktor des oppositionellen Fernsehsenders Doscht war.

8. Raimund Schulz: Odysseus. Mythos und Wahrheit. Klett-Cotta, 315 Seiten, 25 Euro*

Christopher Nolans Blockbuster-Verfilmung der „Odyssee“ kommt im Juli in die Kinos. Bildungsbürger können schon jetzt die Grundlagen auffrischen, wenn nicht mit Homer selbst, dann mit diesem eleganten Buch des Bielefelder Althistorikers.

9. Jonathan Haidt: Die Macht der Moral. Warum Politik und Weltanschauungen unsere Gesellschaft spalten. Rowohlt, 480 Seiten, 28 Euro*

Der US-Psychologe hat die Welt zuletzt davor gewarnt, was Handys in unseren Hirnen anrichten. In diesem Buch von 2012, jetzt erstmals auf Deutsch, verrät er, warum ethische Grenzen wichtig sind. Lesen Sie hier unser Interview mit Jonathan Haidt.

10. Albrecht Koschorke: Souveränität der Vernunft. Die kulturellen Anfänge des Liberalismus. Suhrkamp, 168 Seiten, 20 Euro*

Die frühen Liberalen waren Enthusiasten. Was ist von diesem Elan aus dem 19. Jahrhundert geblieben? Das fragt der Konstanzer Literaturwissenschaftler in seiner Ideengeschichte.

Die Extra-Empfehlung

Neben den zehn Büchern der Jury kommt jeden Monat eine Extra-Empfehlung von einem Gast. Dieses Mal von Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer (Sinologe und Publizist, EuroAsia-Institut Nürnberg). Er empfiehlt:

Volker Reinhardt: Rousseau. Auf der Suche nach der verlorenen Natur. C.H.Beck, 436 Seiten, 34 Euro*

„Volker Reinhardt erklärt die konstitutiven Ideen Rousseaus zu Politik, Pädagogik und zum Verhältnis von Zivilisation und Natur aus den Widersprüchen seiner Zeit und aus seiner persönlichen Zerrissenheit. Dadurch wird die Zeitgebundenheit der Fundamente des modernen Europas wie unter einem Brennglas deutlich, etwa im Konzept des Gemeinwillens, der volonté générale, der für Rousseau etwas anderes ist als der empirische Wille einer Mehrheit.

Reinhardt zeigt eindrucksvoll, wie Rousseau der Welt die von ihm diagnostizierten katastrophalen Irrwege und Irrtümer vor Augen führt, sich selbst als Wegweiser in eine bessere soziale und politische Zukunft versteht und dabei eine neue Form der Selbstverknotung der europäischen Gesellschaften begründet, die uns bis heute umtreibt.“ (Helwig Schmidt-Glintzer)

Die Jury der Sachbücher des Monats

Tobias Becker, Der Spiegel; Natascha Freundel, RBB-Kultur; Dr. Eike Gebhardt, Berlin; Knud von Harbou, Feldafing; Prof. Jochen Hörisch, Universität Mannheim; Günter Kaindlstorfer, Wien; Dr. Otto Kallscheuer, Sassari, Italien; Petra Kammann, FeuilletonFrankfurt; Jörg-Dieter Kogel, Bremen; Dr. Wilhelm Krull, Hamburg; Marianna Lieder, Berlin; Lukas Meyer-Blankenburg, Redaktion Das Wissen, SWR; Gerlinde Pölsler, Der Falter, Wien; Marc Reichwein, WELT; Thomas Ribi, Neue Zürcher Zeitung; Prof. Dr. Sandra Richter, Deutsches Literaturarchiv Marbach am Neckar; Wolfgang Ritschl, ORF Wien; Florian Rötzer, krass-und-konkret, München; Norbert Seitz, Berlin; Mag. Anne-Catherine Simon, Die Presse, Wien; Prof. Dr. Philipp Theisohn, Universität Zürich; Dr. Andreas Wang, Berlin; Prof. Dr. Harro Zimmermann, Bremen; Stefan Zweifel, Zürich. – Die Jury-Redaktion liegt bei Andreas Wang.

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