Bingen am Rhein (Rheinland-Pfalz) – Es ist eine lebensgefährliche Verlockung. Durch das extreme Niedrigwasser im Rhein ist die ikonische Mäuseturminsel bei Bingen zu Fuß erreichbar. Doch Oberbürgermeister Thomas Feser (CDU) warnt nun auf der Website der Stadt eindringlich: „Trotz des niedrigen Wasserstandes ist der Rhein kein Wanderweg.“ Feser weiter: „Ein solcher Spaziergang kann unter Umständen tödlich enden.“
Seit mehreren Tagen verzeichnet der Pegelstand des Rheins bei Bingen immer neue Tiefstände. Am Mittwoch dieser Woche waren es nur noch 57 Zentimeter, normal sind hier 195 Zentimeter. Die Fahrtrinne gehört dabei nicht zum Pegel. Selbst wenn der Pegel auf 0 Zentimeter fällt, ist das Wasser in der Schifffahrtsrinne noch rund 150 Zentimeter tief.
Warum die Aktion gefährlich ist
Während Kiesbänke und Flussbettreste deutlich um die Mäuseturminsel zu sehen sind, bleiben die Strömungsverhältnisse in dem Gewässer tückisch. Eine plötzliche Sogwirkung durch vorbeifahrende Schiffe und dadurch ausgelöste Wellen kann Wanderer erfassen und mitreißen. Thomas Feser warnt: „Das Binger Loch bleibt eine der gefährlichsten Stellen am Rhein.“
Die Geschichte des Mäuseturms
Der Mäuseturm, ein Wahrzeichen am südlichen Ende des Welterbes Oberes Mittelrheintal, ist nicht nur wegen seiner Architektur bekannt. Eine düstere Sage umrankt den Turm: Der Mainzer Erzbischof Hatto II. soll vor etwa 1000 Jahren die Armen in einer Scheune verbrannt haben. Ihre Schreie verglich er kaltschnäuzig mit dem Pfeifen von Mäusen. Der Legende nach sollen daraufhin Tausende Nager auf die Insel gestürmt sein und den Bischof im Turm bei lebendigem Leib gefressen haben.
Ursprünglich im 14. Jahrhundert als Teil eines Zoll-Sperrsystems mit der Burg Ehrenfels bei Rüdesheim erbaut, wurde der Turm nach Kriegszerstörungen im 19. Jahrhundert wieder aufgebaut. Der Mäuseturm bleibt ein mahnendes Bauwerk, das die Besucher mit der gebotenen Vorsicht erkunden sollten.
Wie Sie stattdessen hinkommen
Wer den Mäuseturm in Rheinland-Pfalz sicher bestaunen will, kann auf eine organisierte Schiffstour setzen. Die geführte Tour zum Turm wird allerdings erst wieder ab dem 27. September angeboten.