Hannover (Niedersachsen) – Mit einem roten Herzballon in der Hand wird Anna auf einer Krankentrage über den Stadtfriedhof Stöcken in Hannover geschoben. Auf ihrer blauen Decke liegen rote und weiße Rosen. Laufen kann die schwer krebskranke Frau nicht mehr. Niemand weiß, wie viel Zeit der 60-Jährigen noch bleibt. Doch ihr wird noch ein letzter Wunsch erfüllt: Vor Anna wird ein heller Eichensarg zu einem Grab gerollt. Anna ist auf dem Weg zur Beerdigung ihrer Mutter, um sich ein letztes Mal von ihr zu verabschieden.
Die Krankenkasse zahlt nur Fahrten zu Behandlungen – nicht zu Beerdigungen. Deshalb wandten sich Anna und ihr Mann Horst an den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Niedersachsen. Ehrenamtliche dort erfüllen Wünsche von schwer Erkrankten.
Roter Herzballon als Gruß in den Himmel
„Annas Mutter ist vor vier Wochen gestorben“, sagt Julia-Marie Meisenburg (50) zu BILD. Sie ist Projektleiterin des mit Spenden finanzierten „ASB-Wünschewagens“. Anna ist nicht der richtige Name der Patientin aus Wunstorf bei Hannover. Da sich ihr Gesundheitszustand in den vergangenen Tagen verschlechtert hat, konnte der Reporter nicht mehr mit ihr sprechen. Deshalb bewahrt BILD ihre Privatsphäre und gibt ihr den Namen Anna.
Doch Anna und ihr Ehemann waren am Montag (29. 6.) damit einverstanden, dass sie bei der Beerdigung fotografiert und ihre herzzerreißende Geschichte erzählt wird. Deshalb zeigt BILD das Paar.
Ehemann brachte sie zum Grab ihrer Mutter
Die Helfer vom Wünschewagen hatten Anna und ihren Mann am Vormittag etwa 40 Minuten vom Friedhof entfernt zu Hause in Wunstorf abgeholt. Meisenburg: „Bei dem Transport waren zwei unserer Ehrenamtlichen dabei, die die Rolltrage schieben sollten.“
Horst, ihr Ehemann, hat aber darauf bestanden, seine Frau persönlich zum Grab ihrer Mutter zu ziehen.
„Gute Reise, Mama. Wir sehen uns bald wieder!“
Am offenen Grab dann die rührende Szene: Anna hielt noch immer den roten Ballon in der Hand, als der Leichnam hinuntergelassen wurde. Liegend warf Anna ihrer Mutter Monika die drei Rosen ins Grab. Dann ließ Anna den Herzballon über ihrem Sarg als letzten Gruß in den Himmel steigen. Leise sagte sie: „Gute Reise, Mama. Wir sehen uns bald wieder!“
Anna hatte, bis sie vom Tod ihrer Mutter erfuhr, eigentlich einen anderen letzten Wunsch: „Natürlich wäre ich auch gerne mit euch ans Meer gefahren“, sagte sie zu den Helfern des Wünschewagens. „Doch diese Beerdigung ist mir so wichtig – ich bin froh, dass ich mich dafür entschieden habe.“
Für Anna ging damit einer ihrer letzten Wünsche in Erfüllung. Die Rückfahrt sei von großer Dankbarkeit erfüllt gewesen, so Meisenburg zu BILD.