Warburg (Nordrhein-Westfalen) – Steigende Energie- und Rohstoffkosten sowie ein erbarmungsloser Preiskampf setzen der deutschen Industrie weiter zu: Der nächste Matratzenhersteller, der auf „Made in Germany“ setzt, ist in finanzielle Schieflage geraten!
Diesmal hat es Bönning + Sommer getroffen, einen ostwestfälischen Produzenten von Matratzen, Toppern, Bettdecken und Schaumstoffen. Das Familienunternehmen hat Insolvenz beim Amtsgericht Bielefeld angemeldet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Yorck Tilman Streitbörger bestellt.
Das sind die Gründe für die Pleite
Gegenüber BILD sagt der Sanierungsexperte: „In der Matratzen-Branche findet seit Jahren ein Verdrängungswettbewerb statt. Bei acht Millionen Matratzen, die in Deutschland pro Jahr verkauft werden, wollen alle was vom Kuchen abhaben.“ Ein knallharter Konkurrenzkampf, der zuletzt auch die Breckle Matratzenwerk Weida GmbH in Thüringen in die Pleite trieb.
Als Ursache vermutet er unter anderem, „dass in diesem Bereich Ikea stark expandiert – mit neuen Produktionen und Lieferanten aus Osteuropa“. Aufgrund verbesserter Transportmöglichkeiten lohne es sich mittlerweile zudem, kostengünstig Matratzen aus China zu beschaffen: „Die werden mittlerweile so eng vakuumiert, dass es klappt.“
Aber auch das Verbraucherverhalten habe sich verändert. Streitbörger: „Man überlegt mittlerweile, ob die alte Matratze nicht doch noch zwei weitere Jahre hält.“ Das Geld sitze beim Bürger nicht mehr so locker. Trotzdem ist er optimistisch: „Es sind ja insgesamt 13 Gesellschaften, von denen drei Kerngesellschaften jetzt einen Insolvenzantrag gestellt haben. Ich muss das Firmenkonstrukt entflechten, dann kann das schon gelingen.“
So viele Mitarbeiter sind betroffen
Eine Chance für das 1990 gegründete Unternehmen aus Warburg (Kreis Höxter) in Nordrhein-Westfalen sieht der vorläufige Insolvenzverwalter zumindest. Eine verlässliche Antwort, wie es nun weitergeht, könne er zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht geben. „Erstmal geht es aber weiter“, so Streitbörger. Die Gehälter der 109 Mitarbeiter seien über das Insolvenzgeld zumindest für drei Monate gesichert.
Erst Übernahme, dann Insolvenz
Der Belegschaft stehen vermutlich schlaflose Nächte bevor. Dabei sah im Sommer 2024 noch alles rosig aus: Damals hatte Bönning + Sommer die Lapur-Schäumerei in Northeim (Niedersachsen) inklusive dreier Werkshallen übernommen, um den Schaumstoff für die Matratzen unabhängig von Lieferanten selbst herzustellen.