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Germanwings-Prozess: Väter kämpfen elf Jahre nach Todesflug weiter um Aufklärung

Germanwings-Prozess: Väter kämpfen elf Jahre nach Todesflug weiter um Aufklärung
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Braunschweig – Sie sitzen nur wenige Meter hinter ihren Anwälten. Drei Väter, die vor elf Jahren ihre Kinder bei der Germanwings-Katastrophe verloren haben. Sie sagen kaum ein Wort, senken immer wieder ihren Blick. Vor ihnen wird über Paragrafen gesprochen, über Amtshaftung, Zuständigkeiten und die Flugtauglichkeit des Co-Piloten Andreas Lubitz (†27), der ihre Liebsten mit in den Tod riss. Die drei Väter hören zu. Meist regungslos.

Für sie geht es an diesem Freitag vor dem Landgericht Braunschweig um weit mehr als juristische Aspekte. Es geht um ihre Kinder, um die Frage, ob ihr Tod hätte verhindert werden können – und um die Hoffnung, nach elf zermürbenden Jahren endlich Antworten zu bekommen.

Der juristische Hebel, um diese Antworten zu erzwingen, ist eine Klage auf Entschädigung. Vor Gericht stehen die Forderungen von insgesamt 30 Klägern. Sie verlangen von der Bundesrepublik Deutschland Entschädigungen zwischen 500 und 110.000 Euro. Doch wer mit den Angehörigen spricht, versteht schnell: Es geht nicht um Geld.

Tochter sprang für eine Freundin ein

Engelbert Tegethoff (71) sitzt im Gerichtssaal. Seine Tochter war 33 Jahre alt, als sie starb. „Sie hatte Mathematik unterrichtet. Ihre Freundin, die auch Lehrerin war, hat unsere Tochter gefragt, ob sie bei der Reise einspringen könnte, und das hat sie natürlich sofort gemacht.“

Ein Einspringen für eine Freundin. Eine Reise nach Spanien. Eine Entscheidung, wie sie im Leben jeden Tag getroffen wird. Am 24. März 2015 steigt seine Tochter in Barcelona in den Germanwings-Flug nach Düsseldorf. Sie kommt nie zu Hause an.

Co-Pilot steuerte Maschine in die Alpen

Was damals niemand an Bord ahnt: Der Co-Pilot Andreas Lubitz wird den Airbus wenig später vorsätzlich gegen einen Berg in den französischen Alpen steuern. Alle 144 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder sterben. Unter den Opfern sind auch 16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus Haltern am See.

Nach den Ermittlungen litt Lubitz an psychischen Erkrankungen. Mehr als ein Jahrzehnt später sitzt der Vater des Mädchens noch immer in einem Gerichtssaal. Er und weitere Hinterbliebene werfen den Behörden vor, die Flugfähigkeit des Co-Piloten nicht ausreichend überwacht zu haben.

„Ich habe den Glauben an den Rechtsstaat verloren“

Tegethoff verfolgt die Verhandlung, hört die Argumente beider Seiten. Als sie vorbei ist, sagt er: „Geld kann den Menschen nicht ersetzen. Worum es hier ging, war die einzige Möglichkeit, auf zivilrechtlichem Wege die volle Aufklärung zu bekommen. Aber ich habe den Glauben an den Rechtsstaat verloren. Es reißt immer wieder die Wunden auf, wenn man darüber redet.“

Und weiter: „Ich ahne jetzt schon das Ergebnis, und das ist natürlich nicht gut. Aber solange unsere Rechtsschutzversicherung zahlt, machen wir weiter. Und viele andere mit uns.“

Elf Jahre kämpfen – manche können nicht mehr

Elf Jahre kämpfen. Elf Jahre Akten, Anwälte, Verfahren. Elf Jahre immer wieder zurück zu diesem einen Tag. Manche Angehörigen, sagt der Vater, können nicht mehr. Er kann noch. Als Engelbert Tegethoff über seine Tochter spricht, ist plötzlich all das wieder da, was kein Gericht entscheiden kann. Die Erinnerung, der Verlust, Tränen kommen.

„Der Schmerz ist immer noch groß. Und der wird auch nie vorbeigehen. Mit der Zeit lernt man nur, mit dem Schmerz zu leben.“ Auch andere Angehörige sitzen im Gerichtssaal. Menschen, deren Leben sich am 24. März 2015 für immer geteilt hat – in die Zeit davor und die Zeit danach.

Einer von ihnen ist Klaus Radner (70). Er hat bei der Katastrophe seine Tochter Maria (†33), deren Lebensgefährten Sascha (†38) und seinen Enkel Felix (†1) verloren.

Überrascht ist er am Ende des Verhandlungstages nicht: „Ich habe das so erwartet. Es war ein Austausch der Argumente. Den Standpunkt des Luftfahrtamtes kenne ich. Und so gehe ich mit der Erkenntnis aus dem Tag, dass man gegen den deutschen Staat keine Schadensersatzklage führen kann. Das ist nicht möglich.“

Aufgeben kann auch er nicht: „Das ist die einzige Chance, die wir haben, um Aufklärung zu bekommen. Mehr kann ich nicht mehr für meine Tochter tun, als bis zum letzten Punkt zu kämpfen.“

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