Zielwechsel! Im Talk mit Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel (67, SPD) nahm Markus Lanz (57) nicht die CDU, sondern Vizekanzler Lars Klingbeil (48, SPD) und MeckPomm-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (52, SPD) aufs Korn. Die beiden hatten nach dem Bas-Rücktritt am heftigsten auf die Union geschossen. Jetzt gab Lanz auf Klingbeils Vorwurf, die CDU-Kritik an Bas sei „unanständig“ und „vergifte“ den politischen Diskurs, eine knallharte Antwort: „Richtig, es vergiftet den politischen Diskurs – und zwar genau jetzt und in der Sekunde. Du bist Teil der Vergiftung!“
Kritik auch von RND-Journalistin Eva Quadbeck (56): „Das ist nicht gut, wenn der übrig gebliebene Parteivorsitzende aus dieser schwierigen Situation, in der Bärbel Bas steckt, und in der sie das sicherlich in Abstimmung mit ihm in ihrer Rücktrittserklärung geschrieben hat – es war ja auch nicht IHRE Rücktrittserklärung, sondern es war ja eine gemeinsame – jetzt eine Strategie macht. Eine Strategie, um den Koalitionspartner, auf den er ja angewiesen ist, mit dem er gemeinsam das Land voranbringen muss, schlecht aussehen zu lassen!“
„Schwesig war noch mal deutlich expliziter“
Die aktuelle Bewertung der Journalistin: „Wenn man guckt, was eigentlich passiert ist seit dem 23. September, an dem Bas sich aus dem Regierungsviertel mit Hinweis auf Sterbebegleitung und dann Trauerfall abgemeldet hat: Was CDU-Abgeordnete gesagt haben, war im Rahmen dessen, was Bärbel Bas schon vorher zu hören bekommen hat!“
Danach zeigte Lanz einen Einspieler mit dem noch härteren Angriff der MeckPomm-Ministerpräsidentin auf die Union: „Es ist ja sehr interessant, zu sehen, in welchem Stakkato das dann ging“, berichtete er. „Manuela Schwesig war die nächste Attacke. Das war dann noch mal deutlich expliziter.“
Nach den Auszügen aus Schwesigs Wut-Rede („Unterirdisch, unwürdig, unmenschlich“) kritisierte Quadbeck: „Das Wort ‚unmenschlich‘ ist komplett über die Grenze hinaus. Das ist eine Strategie, dass man jetzt vom eigenen Chaos ablenkt und die Schuld, die Debatte wieder in Richtung Koalitionspartner lenkt.“
Bas-Rücktritt als Polit-Strategie?
„Ist es nicht auch unanständig“, fragte Lanz dazu seinen SPD-Gast, „wenn man aus so einer Situation eine politische Strategie macht?“ Gabriels Antwort: „Ob es so ist, weiß ich nicht. Es ist eben auch so, dass Bärbel Bas innerhalb der SPD ungeheuer beliebt war und immer noch ist. Aber es gab ja jetzt keine besonderen Angriffe aus der Regierung heraus auf sie.“
Die ernste Mahnung des SPD-Granden: „Als Vizekanzler muss man immer überlegen: Was kann man dem Koalitionspartner an öffentlicher Kritik zumuten? Beide Seiten in der Koalition müssen sich fragen, ob das Bild, das sie in der Öffentlichkeit abgeben, irgendeine Chance hat, dass Menschen es noch verstehen, oder ob das immer nur der AfD hilft. Und ich glaube, Letzteres ist der Fall.“