Berlin – Nach entsprechenden Forderungen der betroffenen Familien hat sich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) dem Vorschlag für ein Mahnmal für die Opfer der Terrorgruppe „Rote Armee Fraktion“ (RAF) angeschlossen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61) will ihn prüfen.
Anlass ist das Gedenkjahr 2027 – dann jähren sich die RAF-Anschläge des sogenannten Deutschen Herbstes 1977 zum 50. Mal. Dieser gilt als Hauptphase des Terrors in der Bundesrepublik, auch wenn die RAF schon vorher und auch hinterher tödliche Anschläge verübte.
Dobrindt sagte gegenüber BILD: „Der RAF-Terror hat unser Land jahrzehntelang im Bann gehalten und schrecklichste Verbrechen begangen. Dem Gedenken an die Opfer des Linksterrorismus in Deutschland ein Denkmal zu setzen, halte ich für ein berechtigtes Anliegen.“
Staatsminister Weimer ließ auf BILD-Anfrage mitteilen: „Insbesondere jüngeren Generationen muss vermittelt werden, wohin politischer Extremismus führt.“ Das Andenken an die Toten sei zugleich „Mahnung für die hohe Bedeutung des Einsatzes für eine wehrhafte Demokratie“. Er will den Vorschlag der hinterbliebenen Angehörigen für ein Denkmal „in seine Überlegungen für das Gedenkjahr 2027 einbeziehen“.
Auch der Berliner Kultursenator Stefan Evers (46, CDU), spricht sich für eine Gedenkstätte aus. Evers zu BILD: „Die Opfer des RAF-Terrorismus waren Vertreterinnen und Vertreter unseres freiheitlich-demokratischen Gemeinwesens, das die RAF beseitigen wollte. Den Opfern und den Angehörigen gilt es auch heute, ein ehrendes Gedenken zu bewahren. Die Idee eines öffentlichen Gedenkens begrüße ich – gerade in Zeiten, in denen Extremismus und Terror zu einer Bedrohung für ein friedliches, gemeinschaftliches Miteinander werden.“
Zuvor hatten Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (69, CSU) und Opfer-Angehörige einen zentralen Erinnerungsort gefordert. In BILD hatten sich auch die Kinder der RAF-Opfer Hanns-Martin Schleyer, Jürgen Ponto und Siegfried Buback sowie die Witwe des 1977 ermordeten Lufthansa-Piloten Jürgen Schumann für ein Mahnmal ausgesprochen.
Die RAF ermordete zwischen 1971 und 1991 insgesamt 34 Menschen, die meisten davon Vertreter des Staates und ihre Fahrer oder Begleiter. 1998 erklärte sie ihre Selbstauflösung.