Im Fall um das Vermögen von Schalke-Ikone Rudi Assauer (†74) gibt es eine entscheidende Entwicklung. Wie FOCUS online berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Essen Anklage gegen Tochter Bettina Michel (61) erhoben. Die Ermittler werfen ihr vor, die Alzheimer-Erkrankung ihres Vaters ausgenutzt und sich an dessen Vermögen bereichert zu haben. Konkret soll sie ihren Vater um 767.000 Euro gebracht haben.
Nach Angaben von FOCUS online, dem die Anklageschrift wohl vorliegt, richtet sich die Anklage neben Michel gegen zwei weitere Beschuldigte: Assauers ehemalige Sekretärin Sabine Söldner (66) und ein ehemaliger Fußball-Trainer. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten unter anderem banden- und gewerbsmäßigen Betrug sowie die Abgabe einer falschen Versicherung an Eides statt vor.
Vorwurf: Kontrolle über Assauers Vermögen übernommen
Laut Anklage sollen die Beschuldigten bereits Anfang 2012 beschlossen haben, die fortschreitende Alzheimer-Erkrankung des früheren Schalke-Managers für eigene Zwecke zu nutzen. Im Mittelpunkt steht dabei eine notarielle Generalvollmacht, die Assauers damalige Privatsekretärin Söldner mit Unterstützung eines inzwischen verstorbenen Arztes erhalten haben soll. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft war Assauer zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr geschäftsfähig. Mit der Vollmacht sollen die Beschuldigten anschließend die Kontrolle über Assauers Konten und Immobilien übernommen haben.
In den folgenden Jahren soll die „Bande“ mehrere Immobilien der Schalke-Legende verkauft haben. Zunächst soll es um Assauers Villa in Gelsenkirchen gegangen sein, später um ein Immobilienprojekt in Bielefeld. Allein dieses soll für mehr als drei Millionen Euro veräußert worden sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Teile der Erlöse an die Beschuldigten geflossen sein sollen. Michel soll dabei einen Betrag im mittleren sechsstelligen Bereich erhalten haben.
Streit um den Nachlass
Ein weiterer Anklagepunkt betrifft Angaben zum Nachlass des früheren Schalke-Bosses. Vor dem Landgericht Bochum soll Bettina Michel im Mai 2024 erklärt haben, der Nachlass ihres Vaters habe lediglich noch 45.000 Euro umfasst. Die Staatsanwaltschaft hält diese Aussage für falsch und erhob deshalb zusätzlich Anklage wegen einer falschen Versicherung an Eides statt.
Assauer war 2019 im Alter von 74 Jahren gestorben. Nach seinem Ausscheiden als Fußball-Manager war sein Vermögen auf rund 2,4 Millionen Euro geschätzt worden.
Burkard Benecken und sein Kollege Hans Reinhardt, die Verteidiger von Michel und Söldner, erklärten gegenüber FOCUS online: „Unsere Mandantinnen sind besorgt, insbesondere weil nun durch eine öffentliche Hauptverhandlung Details aus dem Familienleben nach außen getragen werden.“ Außerdem teilten die Anwälte mit: „Wäre der Verstorbene nicht Rudi Assauer, wären nach unserer Auffassung niemals derart umfangreiche Ermittlungen angestellt worden.“
Zu den Vorwürfen selbst wollen sich die Beschuldigten derzeit nicht äußern. Die Anwälte erklärten weiter: „Wir glauben, dass hier vieles erheblich heißer gekocht wird als es tatsächlich war.“