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Gutachten zu deutschen Gasreserven: Fracking kann 25 Prozent des Gasbedarfs liefern

Berlin – Warum lassen wir eigentlich Flüssiggas um den halben Globus transportieren, wenn Deutschland selbst riesige Erdgas-Reserven hat? Ein Gutachten spricht jetzt sogar von einer möglichen Fördermenge von 20 Milliarden Kubikmetern jährlich über mehrere Jahrzehnte. Das große Problem: Für die Förderung wäre die umstrittene Methode des Frackings nötig – und die ist bei uns seit 2017 verboten.

Die Debatte in Zeiten der Energieknappheit, etwa durch den Iran-Krieg, wurde von der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung belebt. Hans-Joachim Kümpel (76), langjähriger Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), hat ein Gutachten erstellt, das dem „Handelsblatt“ vorliegt.

1000 Milliarden Kubikmeter Gas im Boden

Seine wichtigsten Daten: Die in Deutschland per Fracking förderbaren Gasreserven belaufen sich auf rund 1000 Milliarden Kubikmeter. Das entspricht etwa 25 Prozent des deutschen Gasbedarfs. Damit lasse sich die Abhängigkeit von Importen deutlich reduzieren, argumentiert der Experte.

Die Fördermethode des sogenannten Fracking gilt allerdings als umstritten. Dabei werden Wasser, Sand und chemische Zusätze unter hohem Druck in tiefes Gestein gepresst, um feine Risse zu erzeugen. Dadurch wird in den Gesteinsporen eingeschlossenes Erdgas freigesetzt, das über Bohrungen an die Oberfläche strömt. Fachleute bezeichnen solche Gesteinsformationen als „nicht konventionelle Lagerstätten“. Fracking ist an diesen Stellen seit 2017 verboten.

Kümpels Berechnungen fallen genau in eine Phase, in der intensiv über die Verwundbarkeit der europäischen Energieversorgung diskutiert wird. Spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 gilt die Abhängigkeit von Importen als strategisches Risiko. Kurz vor Kriegsbeginn kamen mehr als 50 Prozent der deutschen Erdgasimporte aus Russland. Deutschland reagierte mit dem raschen Aufbau von Terminals für den Import von verflüssigtem Erdgas (LNG).

Heimische Förderung nur noch bei 5 Prozent

Eine Ausweitung der heimischen Förderung spielte dagegen keine Rolle. Noch vor 20 Jahren erreichte ihr Anteil am deutschen Verbrauch Werte von knapp 20 Prozent. Heute deckt sie weniger als fünf Prozent des Bedarfs. Das Erdgas stammt aus konventionellen Lagerstätten, die fast erschöpft sind. Kümpel warnt, die Importabhängigkeit könne bald auf 100 Prozent steigen.

Ob es dazu kommt? Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) hat bereits vor einigen Wochen in einer Regierungsbefragung gesagt, es sei nicht seine Absicht, Fracking vorzuschlagen.

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