Berlin – Vertrauliche Ukraine-Gespräche in Berlin! Ukraines Chefunterhändler Rustem Umerow (44) ist am Dienstag überraschend in die deutsche Hauptstadt gereist. Das berichtet „Politico“ (gehört wie BILD zu Axel Springer). Hintergrund sind neue diplomatische Bemühungen um ein Ende des Kriegs – und massive Drohungen aus Moskau.
Wie „Politico“ berichtet, soll Umerow in Berlin die Sicherheitsberater der sogenannten E3-Gruppe treffen: Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Die Gespräche gelten als heikel. Weder das Kanzleramt noch die ukrainische Botschaft wollten demnach Details bestätigen. Ein Sprecher von Kanzler Friedrich Merz (71) verwies laut „Politico“ lediglich auf ein „vertrauliches Treffen“.
EU weist Drohungen aus Moskau zurück
Die Reise kommt in einer explosiven Lage. Russland hatte Kiew am Wochenende massiv angegriffen und weitere „konsequente und systemische Schläge“ angekündigt. Das russische Außenministerium forderte ausländische Diplomaten und Staatsbürger sogar auf, die ukrainische Hauptstadt „so schnell wie möglich“ zu verlassen.
Die EU weist die Drohung zurück. Der EU-Botschafter in der Ukraine erklärte: „Wir bleiben in Kiew. Wir bleiben an der Seite der Ukraine.“ Auch in Washington wächst derzeit der Frust über die festgefahrenen Verhandlungen. US-Außenminister Marco Rubio (54) sagte am Freitag über die bisherigen Gespräche: Sie seien „leider nicht ergiebig gewesen“. Und weiter: „Wenn jemand anderes das übernehmen möchte, soll er oder sie das tun.“
Europäische Staaten wollen deshalb nun offenbar stärker selbst eingreifen. Bundesaußenminister Johann Wadephul (63) hatte „WELT“ (gehört wie BILD zu Axel Springer) bereits gesagt, die E3-Staaten würden „einen neuen Versuch“ starten, wieder stärker in Verhandlungen einzusteigen. Europa solle dabei „in den kommenden Wochen und Monaten“ eine größere Rolle spielen.
Gleichzeitig knirscht es zwischen Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Der Kanzler hatte der Ukraine laut Bericht eine abgespeckte „assoziierte Mitgliedschaft“ in der EU vorgeschlagen – als möglichen Zwischenschritt vor einer Vollmitgliedschaft. Selenskyj lehnte das am Wochenende deutlich ab. „Der Platz der Ukraine in der Europäischen Union müsse zudem vollständig, vollwertig und gleichberechtigt sein“, sagte er.
Merz hatte die Idee auch als möglichen Kompromiss in Friedensverhandlungen gesehen – unter anderem, um Zugeständnisse bei von Russland besetzten Gebieten politisch leichter vermitteln zu können.