Berlin – Es ist der verzweifelte Hilferuf einer Mutter. Seit mehr als zwei Jahren lebt Sylvie Godard mit der Angst um ihren Sohn Christophe Gleizes (37). Der französische Sportjournalist sitzt in Algerien im Gefängnis. Der Vorwurf: angebliche „Verherrlichung von Terrorismus“. Seine Mutter kämpft für Christophes Freiheit – bisher vergebens.
Jetzt setzen sie und ihre Familie alle Hoffnung auf Deutschland – und auf Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (70). Denn die beiden empfangen am Donnerstag Algeriens Präsidenten Abdelmadjid Tebboune (80) in Berlin. In einem emotionalen Brief appelliert Sylvie zusammen mit Christophes Stiefvater Francis Godard an die deutschen Spitzenpolitiker: Helfen Sie meinem Sohn! BILD liegt das Schreiben exklusiv vor.
Vorwurf: „Verherrlichung von Terrorismus“
„Wir sind die Eltern von Christophe Gleizes, einem französischen Sportjournalisten“, beginnen die beiden den Brief. Christophe war in Algerien unterwegs und recherchierte in der Kabylei (Gebirge im Norden des Landes) zum Thema Fußball. Doch einige seiner Kontakte sollen Verbindungen zur Unabhängigkeitsbewegung MAK gehabt haben. Die Polizei nimmt Christophe im Mai 2024 fest. Ein Gericht wirft ihm u.a. „Verherrlichung von Terrorismus“ vor und verurteilt ihn zu sieben Jahren Gefängnis. Seine Eltern und sein Anwalt weisen das zurück: Christoph sei es immer nur um den Sport gegangen.
Sie vermuten eine politische Motivation – wegen der Spannungen zwischen Frankreich und Algerien zu jener Zeit. Eine Berufung der Godards wird abgeschmettert. Die Mutter verzweifelt: „Wir haben stets unseren Respekt gegenüber Algerien zum Ausdruck gebracht.“ Um die Chancen für eine Begnadigung durch Präsident Tebboune zu erhöhen, verzichten sie seit März auf weitere juristische Schritte.
Aber: „Seitdem sehen wir uns mit einem vollständigen Schweigen der algerischen Behörden hinsichtlich des Schicksals von Christophe konfrontiert.“ Ein Schweigen, das unerträglich sein muss für die Eltern.
„Wir bitten Sie mit der ganzen Kraft einer Familie“
In ihrem Brief flehen die Eltern die deutschen Spitzenpolitiker an: „Wir bitten Sie mit der ganzen Kraft einer Familie, die verzweifelt darauf wartet, ihren Sohn und Enkel wieder in die Arme schließen zu können, das Schicksal von Christophe Gleizes bei Ihren Gesprächen mit Präsident Abdelmadjid Tebboune anzusprechen.“
Die Hoffnung: Der Schritt könne „entscheidend dazu beitragen, eine humanitäre und von Gnade geprägte Lösung zu ermöglichen, auf die wir seit mehr als zwei Jahren warten, damit Christophe zu seiner Familie und zu seiner journalistischen Tätigkeit zurückkehren kann“. Auch international wächst der Druck. So erhielt Gleizes bei der WM symbolisch eine Akkreditierung.